Eukalyptus bei Husten, Erkältung und Sinusitis – Wirksam oder unwirksam?

 

Lindern Zubereitungen aus Eukalyptusöl die Beschwerden bei Nasennebenhöhlenentzündung?



Wirkt Eukalyptusöl bei Bronchitis und chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen?



Welche Fragen werden in diesem Beitrag beantwortet?

  • Bei welchen Erkrankungen wird Eukalyptusöl angewendet?
  • Welche Dosierungen von Eukalyptusöl werden empfohlen?
  • Wie wirkt Eukalyptusöl / Cineol?
  • Ist die Wirksamkeit von Eukalyptusöl durch überzeugende Studiendaten belegt?
  • Welche Nebenwirkungen sind unter der Einnahme von Eukalyptusöl möglich?


Hintergrund

Eukalyptusöl findet Anwendung bei der Behandlung von entzündlichen Atemwegserkrankungen wie der Bronchitis, aber auch bei Erkältungskrankheiten. Eine weitere Anwendung bezieht sich die Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis). Der Wirkstoff Cineol wird darüber hinaus zur unterstützenden Behandlung der COPD und beim Asthma bronchiale angewendet.

Hauptbestandteil des Eukalyptusöls ist 1,8-Cineol. Zu den weiteren Inhaltsstoffen zählen u.a. Limonen (0,5 %) und a-Pinen (2,6 %). Da handelsübliche Eukalyptusöle ca. 70 bis 90 % Cineol enthalten, gilt Cineol als der wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoff des Eukalyptusöls.

Zubereitungen aus Eukalyptusöl sind als nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel zugelassen. Zum einen als Monotherapie (z.B. Aspecton® Eukaps, enthält ausschließlich Eukalyptusöl), zum anderen als Bestandteil von Kombinations-Arzneimitteln (z.B. Gelomyrtol® forte). 1,8-Cineol (Eucalyptol) ist eine aus Eukalyptus- oder Teebaumblättern gewonnene Reinsubstanz. Sie wird in Form von Soledum® Kapseln angeboten.


Anwendungsgebiete

Aspecton® Eukaps: Erkältungskrankheiten der Atemwege mit zähflüssigem Schleim.

Soledum® Kapseln forte: zur Behandlung der Symptome bei Bronchitis und Erkältungskrankheiten der Atemwege. Zur Zusatzbehandlung bei chronischen und entzündlichen Erkrankungen der Atemwege (z. B. der Nasennebenhöhlen) (8).

Gelomyrtol® forte: zur sekretolytischen Therapie und Erleichterung des Abhustens bei akuter und chronischer Bronchitis. Zur sekretolytischen Therapie bei Sinusitis (7).


Wirkmechanismus

Eukalyptusöl zählt zur Gruppe der ätherischen Öle, die insbesondere als Expektoranzien bei Atemwegserkrankungen eingesetzt werden. Sie wirken im Wesentlichen sekretolytisch durch Verflüssigung des Bronchialschleims und sekretomotorisch, indem sie die Tätigkeit der Zilien steigern und damit zum erleichterten Abtransport des Sekrets beitragen (7, 8).

Verschiedene Wirkungen des Cineol, die tierexperimentell oder durch In-vitro-Untersuchungen gut dokumentiert sind, konnten bisher nicht durch Untersuchungen am Menschen bestätigt werden. Hierzu zählen die Entzündungshemmung, die antitussive (hustenstillende) Wirkung und die antimikrobielle Wirkung.

Einen möglichen Erklärungsansatz für die Wirkung von Cineol bei entzündlichen Atemwegserkrankungen liefert eine Untersuchung von Jürgens und Mitarbeitern (6): Die Arbeitsgruppe berichtet über eine signifikante Hemmung von 1,8-Cineol auf die Sekretion der proinflammatorischen Cytokine Interleukin-1-beta und Tumor-Necrose-Factor-alpha aus humanen Monozyten in vitro. Darüber hinaus wird den Wirkstoffen aus dem Eukalyptusöl eine antioxidative Wirkung zugeschrieben, die ebenfalls einen günstigen Effekt auf entzündliche Prozesse haben kann.


Studien zur Wirksamkeit

Insgesamt liegen nur wenige kontrollierte klinische Untersuchungen zur Wirksamkeit von Eukalyptusöl bzw. Cineol vor.


Cineol zur unterstützenden Therapie der COPD

In einer Studie aus Deutschland nahmen 242 Patienten mit mittelgradiger bis schwerer COPD zusätzlich zu ihrer bisherigen Medikation (Betamimetika, Kortikosteroide, Theophyllin) sechs Monate lang dreimal täglich 200 mg Cineol oder Placebo ein (1). Primärer Endpunkt war ein Score, der aus der Summe aller Exazerbationen, ihrem Schweregrad und ihrer Dauer gebildet wurde.

Ergebnis: In der mit Cineol behandelten Patientengruppe nahmen nach sechs Monaten Therapie Häufigkeit, Dauer und Schwere der Exazerbation im Vergleich zur Placebogruppe signifikant ab. Die Exazerbationsrate lag bei 28 % unter Cineol gegenüber 46 % unter Placebo. Signifikant besserte sich im Vergleich zu Placebo die Atemnot in Ruhe und am Morgen, nicht aber unter Belastung.

Lungenfunktionsparameter wie das FEV1 unterschieden sich am Ende der Studie nicht signifikant zwischen den Gruppen. Nach Einschätzung der Studien-Autoren belegen die signifikante Reduktion der Exazerbationsrate und die Besserung der Beschwerden den Nutzen der antientzündlich wirksamen Begleittherapie von Cineol bei Patienten mit stabiler COPD (1).

In einer weiteren randomisierten, kontrollierten Doppelblindstudie wurden Ambroxol (Sekretolytikum) und Cineol im Crossover-Vergleich in ihren Auswirkungen auf die Lungenfunktion untersucht (5). 29 Patienten mit chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen wurden für jeweils 1 Woche zusätzlich zur Basistherapie mit Ambroxol (3 x 30 mg/Tag) oder Cineol (3 x 200 mg/Tag) behandelt.

Die Ergebnisse zeigen eine Verbesserung der Lungenfunktion unter Therapie mit Sekretolytika bei konstanter Begleitmedikation. Dabei zeigten sich konsistent Vorteile von Cineol gegenüber Ambroxol, wenngleich die Unterschiede nicht das Signifikanzniveau erreichten. Diese teilweise auch klinisch erkennbaren Unterschiede können durch die Begleitmedikation nicht erklärt werden und weisen auf einen von der Sekretolyse unabhängigen Wirkmechanismus beim Cineol im Sinne einer Bronchospasmolyse oder Entzündungshemmung hin (5).


Cineol zur unterstützenden Therapie beim Asthma bronchiale

In einer Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie an 32 Patienten mit einem schwergradigen Asthma bronchiale, wurde geprüft, ob eine Begleitbehandlung mit täglich 3x 200 mg Cineol eine entzündungshemmende Wirkung aufweist und zu einer Reduktion der Einnahme systemischer Kortikosteroide beitragen kann (4).

Ergebnisse: Nach 3 Monaten Behandlung zeigte sich in der Cineol-Gruppe eine Abnahme des Steroidverbrauchs um 36 %, während der Steroidverbrauch in der Placebo-Gruppe im Vergleich zum Ausgangswert nur um 7 % reduziert werden konnte. Nach Einschätzung der Autoren bestätigen diese Ergebnisse die zusätzliche entzündungshemmende Wirkung von Cineol (Eukalyptusöl) bei chronisch-entzündlichen Atemwegserkrankungen wie dem Asthma bronchiale (4).


Wirkung von Eukalyptusöl bei Sinusitis

Die akute Stirn- und Nebenhöhlenentzündung ist eine typische Folgeerscheinung viraler Infekte der oberen Atemwege. Die entzündliche Anschwellung der Schleimhäute und die Bildung großer Mengen von zähem Sekret führen zur Verschleimung der Atemwege und zu dem typischen Druckkopfschmerz. Das Sekret ist ein guter Nährboden für Bakterien. Bakterielle Superinfektionen der Nebenhöhlen können die Folge sein und erfordern zumeist den Einsatz von Antibiotika. Dies kann möglicherweise durch eine frühzeitige Behandlung mit ätherischen Ölen wie Eukalyptusöl verhindert werden.


Studien zur Wirksamkeit von Cineol bei Sinusitis

In einer Vergleichsstudie an Patienten mit akuter, nicht eitriger Nasennebenhöhlenentzündung wurden 150 Patienten über sieben Tage entweder mit Cineol (3x tgl. 200 mg, Soledum®) oder mit Sinupret® (3x tgl. 1 Tabl., Kombinations-Arzneimittel aus Eisenkraut, Enzianwurzel, Gartensauerampferkraut, Holunderblüten und Schlüsselblumenblüten) behandelt (2). Geprüft wurde die Auswirkung der Behandlung auf die Sinusitis-Symptome, darunter Druckkopfschmerz, Allgemeinbefinden, verstopfte Nase, Nasenlaufen, Menge und Viskosität des Nasensekrets sowie Fieber.

Ergebnisse: Unter der Cineol-Behandlung kam es zu einer Besserung der Symptomatik um 43,5 % am vierten Tag und um 71,4 % am siebten Tag. Auch in der Vergleichsgruppe verbesserten sich die Beschwerden signifikant gegenüber dem Ausgangswert: nach vier Tagen um 23,5 % und nach sieben Tagen um 52,3 %.
Die Entleerung des Sekrets aus den Nebenhöhlen unter Cineol konnte auch sonografisch nachgewiesen werden. So ging die Verlegung der Atemwege in der Cineolgruppe innerhalb von sieben Behandlungstagen um 93,3 % zurück.
Die Verträglichkeit beider Medikamente erwies sich als gut: In beiden Gruppen wurde nur vereinzelt über milde Magen-Darm-Beschwerden und über Kopfschmerzen berichtet.
Diese Studienergebnisse bei einer akuten Sinusitis deuten auf ein wirksames Abschwellen der Schleimhäute sowie dem Abtransport von zähem Sekret unter Cineol hin (2). Da diese Untersuchung keinen Placebo-Arm enthielt, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die beobachtete Rückbildung der Symptome die Folge eines natürlich ablaufenden Heilungsprozesses war.


Wirksamkeit von Eukalyptusöl bei chronischer Bronchitis

In einer randomisierten, Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie an 246 ambulanten Patienten mit chronischer Bronchitis wurde geprüft, ob eine begleitende Therapie mit Gelomyrtol® forte (3x 300 mg tgl., Kombinationspräparat mit Eukalyptusöl als einen wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoff) die Häufigkeit von infektbedingten Exazerbationen über einen Behandlungszeitraum von 6 Monaten in einem klinisch relevanten Maße vermindern kann (3).

Ergebnisse: Die Behandlung führte dazu, dass der typische Exazerbationsgipfel in den Wintermonaten in der Gelomyrtol®-Gruppe seltener auftrat. Signifikant mehr Patienten der Gelomyrtol®-Gruppe (72 %) blieben im Vergleich zur Placebogruppe (53 %) ohne akute Exazerbation der chronischen Bronchitis. Auch der Antibiotika-Verbrauch war unter der Eukalyptus-Medikation verringert. Das Allgemeinbefinden der Patienten war ebenfalls signifikant besser unter der Verum-Behandlung (3).


Dosierung

Aspecton® Eukaps 200 mg: Erwachsene und Heranwachsende ab 12 Jahren nehmen 2 - 3x tgl. 1 Kapsel ein.

Soledum® Kapseln forte: Erwachsene und Heranwachsende ab 12 Jahren nehmen 3x tgl. 1 Kapsel ein. In besonders hartnäckigen Fällen 4x tgl. 1 Kapsel (8).

Gelomyrtol® forte: Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahren nehmen bei akuten entzündlichen Krankheitsbildern 3- bis 5-mal tgl. 2 Kapseln ein (7).


Verträglichkeit

Gelegentlich kann es zu Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Durchfall) kommen. Selten wurden Überempfindlichkeitsreaktionen (Gesichtsödem, Juckreiz, Atemnot, Husten) sowie Schluckbeschwerden beschrieben (7, 8).

Eukalyptusöl darf nicht angewendet werden bei Keuchhusten und Pseudokrupp (8). Bei Kindern unter 12 Jahren liegen keine ausreichenden Untersuchungen vor (mit Ausnahme von Gelomyrtol® forte).


Fazit

Eukalyptusöl-Zubereitungen (Cineol, Soledum®; Gelomyrtol®, Aspecton®) werden in Deutschland häufig zur Therapie der akuten Sinusitis eingesetzt. Eine Wirksamkeit konnte bisher nur in wenigen klinischen Studien dokumentiert werden. Insgesamt zeigte sich in den Untersuchungen eine signifikante Verbesserung der Leitsymptome einer Nasennebenhöhlenentzündung.

Möglicherweise erhält Eukalyptusöl aufgrund seiner entzündungshemmenden bzw. antioxidativen Wirkung zukünftig einen Stellenwert als Begleitmedikation bei Patienten mit chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen. Zum Wirksamkeitsnachweis sind jedoch weitere klinische Studien notwendig. Zuverlässige Aussagen über Nutzen und Risiken von Cineol bei COPD und Asthma lassen sich auf Basis der derzeitigen Datenlage nicht treffen.


Weitere Informationen zur Vorbeugung und Behandlung von Schnupfen und Erkältung




Literatur


1. Worth H, Schacher C, Dethlefsen U. Concomitant therapy with Cineole (Eucalyptol) reduces exacerbations in COPD: a placebo-controlled double-blind trial. Respir Res. 2009 Jul 22;10:69

2. Kehrl W, Sonnemann U, Dethlefsen U. Therapy for acute nonpurulent rhinosinusitis with cineole: results of a double-blind, randomized, placebo-controlled trial. Laryngoscope 2004;114:738-742

3. Meister R, Wittig T, Beuscher N, de Mey C. Efficacy and tolerability of myrtol standardized in long-term treatment of chronic bronchitis. A double-blind, placebo-controlled study. Study Group Investigators. Arzneimittelforschung. 1999 Apr;49(4):351-8

4. Juergens UR, Dethlefsen U, Steinkamp G, Gillissen A, Repges R, Vetter H. Anti-inflammatory activity of 1.8-cineol (eucalyptol) in bronchial asthma: a double-blind placebo-controlled trial. Respir Med. 2003 Mar;97(3):250-6

5. Wittmann M., Petro W., Kaspar P., Repges R., Dethlefsen U. Zur Therapie chronisch obstruktiver Atemwegserkrankungen mit Sekretolytika, Doppelblinder, randomisierter Cross-over-Vergleich zwischen Cineol und Ambroxol. Atemwegs- und Lungenkrankheiten 1998;24(2): 67-74

6. Jürgens UR, Stöber M, Vetter H. Inhibition of cytokine production and arachidonic acid metabolism by eucalyptol (1.8-cineole) in human blood monocytes in vitro. Eur J Med Res 1998;3(11):508 – 510.

7. Fachinformation Gelomyrtol® forte, Stand Mail 2012

8. Fachinformation Soledum® Kapseln forte, August 2011
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