Passiflora: Passionsblumen-Extrakt bei Nervosität, Angst und Schlafstörung – Wirksam oder unwirksam?


Schlaflosigkeit aufgrund von Angst, innerer Anspannung und Stress - wirkt Passiflora?



Welche Fragen werden in diesem Beitrag beantwortet?

  • Bei welchen Erkrankungen werden Passionsblumen-Extrakte angewendet?
  • Welche Dosierungen von Passionsblumen-Extrakten werden empfohlen?
  • Wie wirkt Passionsblumen-Extrakt?
  • Ist die Wirksamkeit von Passiflora durch überzeugende Studiendaten belegt?
  • Welche Nebenwirkungen sind unter der Einnahme von Passionsblumen-Extrakten möglich?


Hintergrund

Passiflora incarnata ist eine in den südöstlichen USA heimische Pflanzenart, die zu der über 530 Arten umfassenden Familie der Passionsblumengewächse gehört. Die meisten der Passiflora-Arten stammen aus Nord-, Mittel- und Südamerika.

Extrakte aus Passionsblumen oder Passiflora incarnata wurden über Jahrhunderte zur Behandlung von Angststörungen insbesondere in Südamerika und später auch in Nordamerika und Europa angewandt (1). Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte sich die medizinische Anwendung von Passiflora offensichtlich soweit bewährt, dass Madaus in seinem Lehrbuch der biologischen Heilmittel (1938) ihr eine ausführliche, auf wissenschaftliche Publikationen gestützte Abhandlung widmete, in deren Mittelpunkt vor allem die beruhigende und schlafbringende Wirkung der Heilpflanze stand.


Anwendungsgebiete

Als pflanzliches Arzneimittel ist der Wirkstoff Passionsblumen-Trockenextrakt in Deutschland zur Behandlung von nervösen Unruhezuständen zugelassen.

In der Praxis wird Passiflora incarnata auch bei leichten Einschlafproblemen und nervös bedingten Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. Der Substanz wird eine gute angstlösende Wirkung zugeschrieben.

Empfohlen werden die Extrakte aus Passionsblumen allgemein gegen Anspannung, Stress und Angst. Passiflora soll positiv auf die nervliche Anspannung infolge von Leistungsdruck wirken. Auch als Mittel gegen Flugangst oder zur Minderung von Prüfungsangst werden Passionsblumen-Extrakte von den Herstellern beworben. Darüber hinaus werden Passionsblumen-Extrakte als Prämedikation vor Operationen zur Linderung von Angst angewendet.

Passionsblumen-Extrakte werden als Monopräparate oder in Kombination mit Baldrian oder Johanniskraut rezeptfrei in Apotheken angeboten (z.B.: Pascoflair®, Kytta-Sedativum®, Hoggar® Balance, Neurapas®, Hyperflorin®, Lioran®).

Link: Das Wesentliche zusammengefasst
– Passiflora kurz und bündig


Dosierung

Zu beachten ist, dass der Gehalt an Passionsblumen-Extrakt in den angebotenen Passionsblumen-Präparaten sehr unterschiedlich sein kann. Beispielsweise sind im Präparat Neurapass® neben Johanniskraut und Baldrian nur 32 mg Passionsblumenkraut Trockenextrakt enthalten. Die Arzneimittel Kytta-Sedativum®, Hoggar® Balance und Pascoflair® enthalten hingegen ausschließlich Passionsblumenkraut-Trockenextrakt als Wirkstoff, und zwar in einer Dosierung von 425 mg pro Tablette. Für diese pflanzlichen Arzneimittel wird die Einnahme von täglich 2 bis 3 Tabletten (Tagesdosis: 850 bis 1275 mg) empfohlen (14). Im Unterschied dazu sind im Arzneimittel Passidon® 260 mg Passionsblumenkraut-Extrakt pro Kapsel enthalten, die empfohlene Tagesdosis liegt für Erwachsene bei 2 x 2 Kapseln.

Lioran® (260 mg Passionsblumen-Trockenextrakt): Empfohlen wird eine Einnahme von 2 Kapseln am Abend vor dem Schlafengehen. Abhängig vom Beschwerdegrad können 1 - 3 Kapseln tagsüber genommen werden. Die Maximaldosis pro Tag beträgt 5 Kapseln.


Wirkmechanismus

Nervöse Unruhe kann auf einen Mangel an GABA (Gamma-Aminobuttersäure) im Gehirn zurückzuführen sein. Passionsblumen-Extrakt entfaltet wahrscheinlich einen Teil seiner Wirkung über den Neurotransmitter (Nervenbotenstoff) GABA. Dessen Wirkung wird durch Passiflora verstärkt. Die wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe der Passionsblume sind bisher nicht vollständig bekannt. Es liegen Hinweise vor, dass Benzoflavon-Verbindungen zu den wichtigsten bioaktiven Bestandteilen von Passiflora incarnata zählen (2).

http://www.amazon.de/Ratgeber-Naturheilmittel-Welche-Wirkungen-belegt-ebook/dp/B00GF7TVD4/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1397332587&sr=1-1&keywords=ratgeber+naturheilmittel+-+welche+wirkungen+sind+belegt


Studien zur Wirksamkeit von Passionsblumen-Extrakten

In tierexperimentellen Untersuchungen konnte die angstlösende Wirkung von Passiflora überzeugend dokumentiert werden (1, 2).


Übersichtsarbeiten / Metaanalysen zur Wirksamkeit

In einer Cochrane-Metaanalyse aus dem Jahre 2007 wurden insbesondere zwei Studien, die auf eine Nicht-Unterlegenheit von Passiflora im Vergleich zur Standardtherapie mit Benzodiazepinen hinweisen, analysiert. In ihrem Fazit kamen die Autoren zu dem Schluss, dass zu diesem Zeitpunkt noch zu wenig kontrollierte Studien vorlagen, um die Wirksamkeit von Passiflora zu beurteilen (3).

Wenige Jahre später wurde in einer Übersichtsarbeit geprüft, wie sich eine Nahrungsergänzung mit pflanzlichen Wirkstoffen auf Angsterkrankungen bzw. Störungen des Angsterlebens auswirkt (4). Im Ergebnis bescheinigen die Autoren insbesondere Präparaten, die Passionsblumen-Extrakte enthalten eine mögliche Wirksamkeit zur unterstützenden Behandlung bei Erkrankungen, die mit Angstsymptomen einhergehen. Zu einer ähnlich positiven Schlussfolgerung in Bezug auf Passionsblumen-Extrakte kommt die Arbeitsgruppe um Sarris und Mitarbeiter. Auch sie attestieren Passiflora incarnata eine anxiolytische Wirkung und einen positiven Effekt auf angstbedingte Schlafstörungen (5, 15).


Passiflora bei generalisierten Angststörungen

In einer kontrollierten klinischen Studie an 36 Patienten mit generalisierter Angststörung wurde die Wirkung eines Passionsblumen-Extraktes mit der Wirkung des Benzodiazepins Oxazepam verglichen (6). Der Passionsblumen-Extrakt zeigte nach 7-tägiger Anwendung eine vergleichbare angstmindernde Wirkung wie das Benzodiazepin Oxazepam. Vorteile für den Passionsblumen-Extrakt zeigten sich in einer geringeren Beeinträchtigung im Berufsalltag. Ein schnellerer Wirkeintritt wurde in dieser Studie hingegen für das Oxazepam beschrieben. Die Abnahme der Angstsymptomatik wurde mit Hilfe der Hamilton-Angst-Skala dokumentiert. Der durchschnittliche Wert auf der Hamilton-Angst-Skala sank bei der Behandlung mit Passiflora als auch mit Oxazepam von 20 auf 5, wobei Werte zwischen 18 und 24 auf einen mittelschweren Verlauf hinweisen (6).
http://www.amazon.de/welchen-Erkrankungen-helfen-Naturheilmittel-Wechseljahresbeschwerden/dp/1497408253/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1397332438&sr=1-1&keywords=bei+welchen+erkrankungen+helfen+naturheilmittel


Verminderung von Angst vor Operationen

In einer weiteren doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie wurde die Wirkung von Passionsblumen-Extrakt auf die Ängstlichkeit vor einer Operation untersucht (7). Etwa 30 Minuten nach Gabe der Medikation konnte ein signifikanter Unterschied in der Ausprägung von Angst zwischen der Placebo- und der Passiflora-Gruppe dokumentiert werden. Passionsblumen-Extrakte könnten demnach als Prämedikation die Angst vor Operationen mindern (7). Bestätigt wurden diese Ergebnisse in einer kürzlich veröffentlichten Placebo-kontrollierten Untersuchung an 60 Patienten, die vor einer Operation eine Spinalanästhesie erhielten. Auch hier zeigte sich durch die Einnahme von Passionsblumen-Extrakt 30 Minuten vor dem Eingriff eine statistisch signifikante Minderung von Angst im Vergleich zur Placebo-Einnahme (8).


Einfluss auf die Schlafqualität

In einer Placebo-kontrollierten Doppelblind-Studie wurde an 41 Erwachsenen mit gering ausgeprägten Schlafstörungen geprüft, ob durch die tägliche Einnahme von Passiflora über einen Zeitraum von einer Woche die Schlafqualität positiv beeinflusst wird (9). In dieser Untersuchung wurde eine Tee-Zubereitung aus Passionsblumen-Extrakt eingesetzt. Ergebnis: Bei der Auswertung der Schlafprotokolle zeigte sich ein signifikanter Vorteil für die Passionsblumen-Gruppe. Unter der Behandlung mit Passiflora besserte sich insbesondere die subjektive Schlafqualität bei den ansonsten gesunden Erwachsenen (9).


Schlafstörungen und Schlafprobleme – weitere interessante Beiträge:

 

Verträglichkeit von Passiflora incarnata

Insgesamt wird die Verträglichkeit von Passionsblumen-Extrakten in klinischen Studien als gut beschrieben. Mögliche Wechselwirkungen mit Benzodiazepinen wie Lorazepam können nicht ausgeschlossen werden. Einem Literaturbericht zufolge kann die gleichzeitige Einnahme von Lorazepam und der Kombination aus Passiflora incarnata und Baldrian-Extrakten zu Symptomen von Übererregbarkeit mit Zittern führen (10). Als Nebenwirkungen wurden in Untersuchungen über allergische Hauterscheinungen (14), Schwindel und Benommenheit berichtet (6). 

http://www.amazon.de/Naturheilmittel-Arzneimittel-med-Detlef-Nachtigall-ebook/dp/B00GNKM3HY/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1397332680&sr=1-1&keywords=naturheilmittel+pflanzliche+arzneimittel

Ausblick

 

Diabetes mellitus

Erste tierexperimentelle Untersuchungen weisen auf eine mögliche Wirkung von Passiflora incarnata beim Diabetes mellitus hin (11). In diesen Untersuchungen wurden eine blutzuckersenkende Wirkung, eine verbesserte Glukosetoleranz und ein positiver Einfluss auf das Lipid-Profil unter Passionsblumen-Extrakten beschrieben.


Depression

Es liegen zudem erste Hinweise vor, dass die kombinierte Anwendung von Passiflora incarnata und Johanniskraut-Extrakten einen synergistischen Effekt auf depressive Symptome haben könnte. Einer Untersuchung zufolge könnte die therapeutisch notwendige Dosis von Johanniskraut zur Behandlung der Depression durch die gleichzeitige Anwendung von Passiflora-Extrakten reduziert werden (12).


Epilepsie

Ein häufiges Symptom nach einem epileptischen Anfall (postiktal) ist eine depressive Verstimmung des Patienten, welche noch Tage nach dem Anfall andauern kann. Erste tierexperimentelle Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine begleitende Behandlung mit Passiflora incarnata diese postiktale Depression günstig beeinflussen kann (16).


Libido

Es ist bekannt, dass ein übermäßiger, chronischer Konsum von Alkohol und Nikotin erhebliche nachteilige Auswirkungen auf die Libido, Fruchtbarkeit und Spermienzahl beim männlichen Geschlecht haben kann. Möglicherweise haben einzelne Wirkstoffe aus der Passionsblume einen positiven Effekt auf den durch übermäßigen Alkohol- und Nikotin-Konsum bedingten Libido-Verlust. Erste tierexperimentelle Untersuchungen deuten auf eine beschleunigte Wiederherstellung der Sexualität bei Ratten nach Beendigung der Zufuhr von Alkohol und Nikotin hin (13).


Offene Fragen

Da bisher die wirksamen Inhaltsstoffe der Passionsblume nur unvollständig bekannt sind, bleibt auch unklar, welcher Teil der Pflanze den größten Anteil an wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffen enthält. Die in Deutschland zugelassenen pflanzlichen Arzneimittel enthalten ausschließlich Passionsblumenkraut-Trockenextrakt. Obwohl in den bisher publizierten Studien nicht standardisierte Passiflora-Extrakte in unterschiedlichen Dosierungen zugrunde lagen, zeigen die Ergebnisse bei der Behandlung von nervösen Unruhezuständen ein übereinstimmend positives Bild. Es kann daher vermutet werden, dass die Wirkstoffe aus Passiflora-Extrakten eine große therapeutische Breite aufweisen.


Fazit

Auf Basis der bisher veröffentlichten Studiendaten können Extrakte der Passionsblume in ausreichend hoher Dosierung als wirksam zur Verminderung von Angst und nervösen Unruhezuständen angesehen werden. In der Mehrzahl der Studien konnte die beruhigende, angstlösende und einschlaffördernde Wirkung von Passionsblumen-Extrakt bestätigt werden. Diese allgemeine Einschätzung wird bestätigt durch Untersuchungen, in denen Passionsblumen-Extrakt als Prämedikation die Angst vor Operationen reduzierte. Bei Angsterkrankungen liegen hingegen zu wenige große, kontrollierte Studien vor, um eine allgemeine Empfehlung zur Anwendung von Passiflora-incarnata-Extrakten aussprechen zu können.

http://www.amazon.de/Mineralstoffe-Spurenelemente-unterstuetzenden-Behandlung-Erkrankungen/dp/1512235180/ref=sr_1_6?ie=UTF8&qid=1432566827&sr=8-6&keywords=Detlef+nachtigall


Literatur


1. Dhawan K, Kumar S, Sharma A. Anti-anxiety studies on extracts of Passiflora incarnata Linneaus. J Ethnopharmacol. 2001 Dec;78(2-3):165-70.

2. Dhawan K, Kumar S, Sharma A. Comparative anxiolytic activity profile of various preparations of Passiflora incarnata linneaus: a comment on medicinal plants' standardization. J Altern Complement Med. 2002 Jun;8(3):283-91.

3. Miyasaka LS, Atallah AN, Soares BG. Passiflora for anxiety disorder.
Cochrane Database Syst Rev. 2007 Jan 24;(1):CD004518.

4. Lakhan SE, Vieira KF. Nutritional and herbal supplements for anxiety and anxiety-related disorders: systematic review. Nutr J. 2010 Oct 7;9:42.

5. Sarris J, Panossian A, Schweitzer I, Stough C, Scholey A. Herbal medicine for depression, anxiety and insomnia: a review of psychopharmacology and clinical evidence. Eur Neuropsychopharmacol. 2011 Dec;21(12):841-60.

6. Akhondzadeh S, Naghavi HR, Vazirian M, Shayeganpour A, Rashidi H, Khani M. Passionflower in the treatment of generalized anxiety: a pilot double-blind randomized controlled trial with oxazepam. J Clin Pharm Ther. 2001 Oct;26(5):363-7.

7. Movafegh A, Alizadeh R, Hajimohamadi F, Esfehani F, Nejatfar M. Preoperative oral Passiflora incarnata reduces anxiety in ambulatory surgery patients: a double-blind, placebo-controlled study. Anesth Analg. 2008 Jun;106(6):1728-32.

8. Aslanargun P, Cuvas O, Dikmen B, Aslan E, Yuksel MU. Passiflora incarnata Linneaus as an anxiolytic before spinal anesthesia. J Anesth. 2012 Feb;26(1):39-44.

9. Ngan A, Conduit R. A double-blind, placebo-controlled investigation of the effects of Passiflora incarnata (passionflower) herbal tea on subjective sleep quality. Phytother Res. 2011 Aug;25(8):1153-9.

10. Carrasco MC, Vallejo JR, Pardo-de-Santayana M, Peral D, Martín MA, Altimiras J.

Interactions of Valeriana officinalis L. and Passiflora incarnata L. in a patient treated with lorazepam. Phytother Res. 2009 Dec;23(12):1795-6.

11. Gupta RK, Kumar D, Chaudhary AK, Maithani M, Singh R. Antidiabetic activity of Passiflora incarnata Linn. in streptozotocin-induced diabetes in mice. J Ethnopharmacol. 2012 Feb 15;139(3):801-6.

12. Fiebich BL, Knörle R, Appel K, Kammler T, Weiss G. Pharmacological studies in an herbal drug combination of St. John's Wort (Hypericum perforatum) and passion flower (Passiflora incarnata): in vitro and in vivo evidence of synergy between Hypericum and Passiflora in antidepressant pharmacological models. Fitoterapia. 2011 Apr;82(3):474-80.

13. Dhawan K, Sharma A. Prevention of chronic alcohol and nicotine-induced azospermia, sterility and decreased libido, by a novel tri-substituted benzoflavone moiety from Passiflora incarnata Linneaus in healthy male rats. Life Sci. 2002 Nov 15;71(26):3059-69.

14. Fachinformation Kytta-Sedativum®

15. Sarris J, McIntyre E, Camfield DA. Plant-based medicines for anxiety disorders, part 2: a review of clinical studies with supporting preclinical evidence. CNS Drugs. 2013 Apr;27(4):301-19.

16. Singh B, Singh D, Goel RK. Dual protective effect of Passiflora incarnata in epilepsy and associated post-ictal depression. J Ethnopharmacol. 2012 Jan 6;139(1):273-9.


Suchbegriffe: Angststörung, Prüfungsangst, Flugangst, generalisierte Ängstlichkeit, Unruhe, Stress, angstlösend, nervöse Unruhezustände, Anspannung, Angstzustände, Passionsblume, Passiflora, Passionsblumenextrakt, Passifloraextrakt, nervöse Unruhe, Einschlafprobleme, Passiflora incarnata, Schlafstörungen, Hausmittel gegen Ängstlichkeit, Behandlung von Unruhe, Einnahme Passiflora, Lioran®, Naturmittel bei Angst, Mittel gegen Unruhe, pflanzliche Mittel ber Nervösität, Behandlung von Angstzuständen, Wirkung Passionsblume, Wie wirkt Passionsblume?, Nebenwirkung Passionsblume, Passiflora edulis, Alternativmedizin, Naturmedizin, Heilkunde, Erfahrung, Erfahrungsberichte, Was tun bei Nervosität? Lioran®,
Lioran® die Passionsblume

Hyaluronsäure zur Behandlung der Kniegelenksarthrose – wirksam oder unwirksam?

 

Wirkt Hyaluronsäure bei Schmerzen im Kniegelenk?



Vermindert Hyaluronsäure langfristig die schmerzhafte Bewegungseinschränkung?



Hintergrund

Hyaluronsäure ist eine im Organismus natürlich vorkommende Substanz. Die Hyaluronsäure ist Hauptbestandteil der Gelenkflüssigkeit (Synovialflüssigkeit) und wirkt als Gleitmittel bei allen Gelenkbewegungen.


Anwendungsgebiet

Hyaluronsäure und Hyaluronsäure-Derivate sind angezeigt zur Behandlung von Schmerzen und gestörter Gelenkfunktion bei leichten bis mittelschweren Abbauerscheinungen im Kniegelenk (leichte bis mittelschwere Gonarthrose). Hyaluronsäure wird durch den Arzt in das betroffene Gelenk injiziert.


Wirkmechanismus

Die Behandlung mit Hyaluronsäure soll die Viskosität der Gelenkflüssigkeit erhöhen, den weiteren Knorpelabbau verzögern und somit die Schmerzen lindern. Die intraartikuläre Injektion von Hyaluronsäure soll zudem die Gelenkfunktion verbessern.


Anwendungshäufigkeit, Langzeitwirkung

Hyaluronsäure bzw. Hyaluronsäure-Derivate werden als Fertigspritze einmal wöchentlich in den Gelenkspalt des betroffenen Gelenks injiziert. Es wird eine 5-malige Verabreichung, jeweils in wöchentlichen Abständen, empfohlen.

Im Vergleich zur intraartikulären Injektion von Cortison (Kortikosteroiden) setzt die Wirkung der Hyaluronsäure später ein. Klinische Daten deuten darauf hin, dass Kortikosteroide in den ersten zwei Wochen eine bessere Schmerzreduktion erzielen als Hyaluronsäure (4). Die Wirkung von Hyaluronsäure erreicht ihr Maximum Studien zufolge im Mittel nach ca. 10 bis 13 Wochen (6).
Ein dauerhafter Effekt ist nicht zu erwarten. Oftmals muss die Behandlung nach etwa einem halben Jahr wiederholt werden.

Eher geeignet scheint die intraartikuläre Injektion von Hyaluronsäure für Patienten mit einer eher kürzeren Schmerzdauer und mit einer weniger stark ausgeprägten Arthrose (3). Im Umkehrschluss profitieren demnach Patienten mit einer schon seit Jahren bestehenden Schmerzsymptomatik und einer Gelenkarthrose im fortgeschrittenen Stadium weniger von einer Behandlung mit Hyaluronsäure.


Hyaluronsäure - Medizinprodukt oder Arzneimittel?

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft hat 2008 festgestellt, dass für die intraartikuläre Behandlung mit Hyaluronsäure keine gesicherten Daten aus klinischen Studien vorliegen. Daher gibt es bisher keine generelle Therapieempfehlung zur Behandlung der Arthrose mit Hyaluronsäure.

Entsprechende Präparate sind daher überwiegend als Medizinprodukte im Handel (z.B. Hya Ject® , Go On® , Ostenil®). Nur bei Hyalart® handelt es sich um ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, das aber von der Verordnung zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen ist. Die Behandlung der Kniegelenksarthrose mit Hyaluronsäure wird daher von Ärzten in der Regel als eine »Individuelle Gesundheitsleistung« (iGeL) angeboten.

Die verfügbaren Hyaluronsäure-Derivate unterscheiden sich zum Teil deutlich in ihrer Zusammensetzung und damit auch in ihren physikochemischen Eigenschaften. Die Unterschiede der Hyaluronsäure-Präparate beziehen sich insbesondere auf das Molekulargewicht. Studienergebnissen zufolge unterscheiden sich diese Präparate auch in ihrer Wirksamkeit.

Die folgenden Hyaluronsäure-Präparate kommen derzeit klinisch u.a. zur Anwendung: Adant, Arthrum H, Artz (Artzal, Supartz), BioHy (Arthrease, Euflexxa, Nuflexxa), Durolane, Fermathron, Go-On, Hyalgan, Hylan G-F 20 (Synvisc Hylan G-F 20), Hyruan, NRD-101 (Suvenyl), Orthovisc, Ostenil, Replasyn, SLM-10, Suplasyn, Synject and Zeel compositum.

http://www.amazon.de/Ratgeber-Naturheilmittel-Welche-Wirkungen-belegt-ebook/dp/B00GF7TVD4/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1397374137&sr=1-1&keywords=ratgeber+naturheilmittel+-+welche+wirkungen+sind+belegt


Kniegelenksarthrose

Die Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung, etwa 10 Prozent aller Männer über 60 Jahre leiden an Gelenkarthrose. Am häufigsten betroffen ist das Kniegelenk. Während nur 6 Prozent aller über 30-Jährigen radiologische Zeichen einer Arthrose zeigen, steigt dieser Anteil auf 40 Prozent in der Altersgruppe der über 70-Jährigen (3). In einer Untersuchung von Patienten, die eine Kniegelenks-Arthroskopie erhalten hatten, zeigte sich, dass in 61 Prozent der Fälle Knorpelschäden nachgewiesen werden konnten, die zu 44 Prozent durch eine Arthrose hervorgerufen waren. Zu 28 Prozent waren es umschriebene Knorpelschäden, die z.B. durch ein Trauma bedingt sein konnten.

In den Abbauprozess des Knorpels einzugreifen und damit das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten oder sogar rückgängig zu machen, wäre das primäre Ziel der Arthrose-Therapie. Mit den derzeit zur Verfügung stehenden Medikamenten ist dies nur in einem geringen Maße zu erreichen. Im Vordergrund der Behandlung stehen daher die Verminderung oder Beseitigung des Schmerzes, Funktionsverbesserungen der betroffenen Gelenke sowie eine Verlangsamung der gelenkzerstörenden Prozesse.

Es liegen Hinweise vor, dass bei Arthrose die Konzentration und das Molekulargewicht der körpereigenen Hyaluronsäure im Gelenk reduziert sind.

Übersichtsarbeiten/Metaanalysen zur Wirksamkeit von Hyaluronsäure bei der Behandlung der Kniegelenksarthrose

In einer Cochrane-Metaanalyse wurden bereits im Jahr 2006 insgesamt 76 Studien zur Wirksamkeit von Hyaluronsäure bewertet (2). Im Vergleich zur Placebo-Behandlung attestierten die Autoren der Hyaluronsäure insgesamt eine bessere Wirksamkeit. Es wurde darauf hingewiesen, dass es Unterschiede in der Wirksamkeit und auch im Wirkeintritt zwischen den einzelnen Hyaluronsäure-Derivaten gibt. Hervorgehoben wurde, dass das Zeitfenster, indem eine Wirkung erwartet werden kann, etwa zwischen der 5. und 13. Wochen nach der Injektion liegt. Die prozentuale Verbesserung der Schmerzen gegenüber dem Ausgangswert wurde mit 28 bis 54 Prozent ermittelt. Funktionsverbesserungen lagen im Bereich von 9 bis 32 Prozent (2).

Eine umfassende Metaanalyse aus dem Jahre 2012 hat die Ergebnisse von insgesamt 89 Studien mit zusammen 12.667 Patienten ausgewertet (1). 68 Studien hatten eine Placebo-Kontrolle. Bei 40 Untersuchungen wurden die Patienten länger als 3 Monate nachbeobachtet. 

  • Ergebnisse: In 71 von 89 Studien konnte eine mäßig ausgeprägte Schmerzabnahme unter der Behandlung mit Hyaluronsäure dokumentiert werden. Die Unterschiede in den Ergebnissen der einzelnen Studien waren z.T. sehr ausgeprägt. Beispielsweise zeigte sich in fünf unveröffentlichten Studien keine Wirkung auf die Schmerzen. In 18 großen, verblindeten Studien wurde eine klinisch nicht-relevante Abnahme der Gelenkschmerzen beobachtet. In sechs weiteren Studien wurde eine geringfügige, statistisch nicht signifikante Zunahme der Gelenkschmerzen berichtet. In Bezug auf die Verträglichkeit wurde in 14 Studien beobachtet, dass die Hyaluronsäure-Gabe das Risiko von schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen erhöht (1).

Beinahe zeitgleich (2012) wurde eine weitere Metaanalyse zur Wirksamkeit unterschiedlicher Hyaluronsäure-Präparate in der Behandlung der Kniegelenksarthrose publiziert. Die Autoren konnten im Wesentlichen die Ergebnisse vorausgehender Analysen bestätigen (3). 
  • Die Studienergebnisse zusammenfassend, wurde unter der Gabe von Hyaluronsäure-Derivaten eine Schmerzabnahme um 40 bis 50 Prozent im Vergleich zum Ausgangswert dokumentiert. Wurde die intraartikuläre Hyaluronsäure-Injektion mit einer Kochsalz-Gabe als Placebo verglichen, dann war der Therapieerfolg deutlich geringer. Besonders auffällig war bei diesem Vergleich der ausgeprägte Effekt einer Injektion von Kochsalzlösung, die im Mittel zu einer über drei Monate anhaltenden Schmerzreduktion um etwa 30 Prozent führte. 

Auf Grundlage dieser Studienergebnisse äußerten die Autoren Bedenken, ob durch eine Hyaluronsäure-Behandlung im Vergleich zu Placebo überhaupt ein klinisch relevanter Unterschied erreicht werden kann (3).
Im Fazit dieser Metaanalyse wurde darauf verwiesen, dass weitere kontrollierte, große multizentrische Untersuchungen notwendig seien, um die Wirksamkeit der verschiedenen Hyaluronsäure-Präparate abschließend beurteilen zu können.
http://www.amazon.de/welchen-Erkrankungen-helfen-Naturheilmittel-Wechseljahresbeschwerden/dp/1497408253/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1397374048&sr=1-1&keywords=bei+welchen+erkrankungen+helfen+naturheilmittel


Studien zum Vergleich von Hyaluronsäure mit anderen Behandlungsoptionen

Bei akuten, entzündlich bedingten Gelenkschmerzen, z.B. einer aktivierten Kniegelenksarthrose, wird häufig zur Schmerzlinderung die intraartikuläre Injektion von Kortikosteroiden angewandt.

In einer weiteren Übersichtarbeit wurde geprüft, ob es Unterschiede in der Wirksamkeit von intraartikulär verabreichten Kortikosteroiden (Methylprednisolon) und Hyaluronsäure (Hyalgan®) gibt (4). Insgesamt wurden in dieser Analyse 7 Studien mit 606 Patienten berücksichtigt. Bemerkenswert war, dass in den ersten 2 bis 4 Wochen die intraartikuläre Kortikosteroid-Gabe die Schmerzen signifikant stärker reduzierte als die Hyaluronsäure-Injektion. Langfristig hingegen, etwa ab der 8. Woche nach der Behandlung, war die Schmerz-Reduktion unter der Hyaluronsäure-Gabe signifikant ausgeprägter (4).

In den wenigen publizierten Studien mit einer NSAR-Vergleichsgruppe wurden keine wesentlichen Unterschiede in der Wirksamkeit beobachtet (2).

Weitere Untersuchungen weisen darauf hin, dass auch andere Behandlungsverfahren mittelfristig die Symptome einer Kniegelenksarthrose positiv beeinflussen und im direkten Vergleich der Hyaluronsäure-Gabe überlegen sein können. Für die transcutane elektrische Nerven-Stimulation (TENS) konnten beispielsweise im direkten Vergleich mit der wöchentlichen Gabe von Hyaluronsäure Vorteile bei der Schmerzminderung und der Funktionalität des Kniegelenkes bis zu drei Monate nach Ende der Behandlung dokumentiert werden (8).


Studien zu unterschiedlichen Hyaluronsäure-Präparaten (Hyalgan®, GO-ON®, Hylan®, Synvisc®, Orthovisc®)

Zur Behandlung der Arthrose werden Hyaluronsäure-Präparate mit unterschiedlichem Molekulargewicht angewandt. Es werden im Wesentlichen drei Gruppen unterschieden: 
  • Präparate mit niedrigem Molekulargewicht (500 – 730 kD, z.B. Hyalgan®), 
  • mittlerem Molekulargewicht (800 – 2000 kD, z.B. GO-ON®, Orthovisc®) und 
  • hohem Molekulargewicht (durchschnittlich: 6000 kD, z.B. Synvisc®, Hylan®).

Nicht zu allen Hyaluronsäure-Präparaten sind klinische Studien veröffentlicht. Am häufigsten wurden die Präparate Hyalgan®, Artz®, Orthovisc® und Synvisc® unter kontrollierten Studienbedingungen untersucht.

  • Zum Präparat Hyalgan® wurden bisher insgesamt 25 kontrollierte Studien, insbesondere zur Therapie der Kniegelenksarthrose veröffentlicht. Im Vergleich zum Ausgangsbefund konnte in diesen Untersuchungen unter Hyalgan® im Mittel eine Schmerzabnahme um 43 Prozent dokumentiert werden (3).

  • Zum Präparat Synvisc® wurden bisher 35 Studien mit zusammen 2117 Patienten ausgewertet. Hier lag die durchschnittliche Schmerzverbesserung im Vergleich zum Ausgangsbefund bei ca. 41 Prozent (3). Vergleichbare Ergebnisse zeigten sich auch für die Hyaluronsäure-Präparate Orthovisc® und Artz®.

Zu den wenigen Hyaluronsäure-Präparaten für die im Vergleich zu Placebo (Injektion einer Kochsalzlösung) eine signifikante Verbesserung der Schmerzsymptome belegt ist, zählen Hyalgan® und Synvisc® (3).

Direkte Vergleichsuntersuchungen zwischen einzelnen Hyaluronsäure-Präparaten erbrachten zum Teil gegensätzliche Ergebnisse: Synvisc® erwies sich in zwei Studien dem Hyalgan® und in drei Studien dem Artz®¨ als überlegen (3). Für den Vergleich von Synvisc® und Orthovisc sind widersprüchliche Ergebnisse publiziert. Werden die Ergebnisse von fünf Vergleichsstudien zusammengefasst, so ergibt sich ein Vorteil von Orthovisc® gegenüber Synvisc® (3).

In einer Metaanalyse wurde geprüft, ob Hyaluronsäure-Präparate mit hohem Molekulargewicht (z.B. Synvisc®, Hylan®) anderen Hyaluronsäure-Zubereitungen überlegen sind (5). Nach der Auswertung von 13 Studien mit zusammen über 2000 Patienten kommen die Autoren zu dem Schluss, dass Hyaluronsäure- Zubereitungen mit hohem Molekulargewicht denen mit niedrigem Molekulargewicht nicht signifikant überlegen sind. Bemerkenswert war die Beobachtung, dass das Risiko für lokale Nebenwirkungen der intraartikulären Injektion bei Präparaten mit hohem Molekulargewicht (z.B. Hylan®) signifikant höher lag (5).

In einer kürzlich veröffentlichten Vergleichsstudie zwischen den Hyaluronsäure-Präparaten GO-ON® (mittleres Molekulargewicht: 800 – 1500 kD) und Hyalgan® (niedriges Molekulargewicht: 500 – 730 kD) zeigten sich nach einer Beobachtungsdauer von 6 Monaten Vorteile zugunsten von GO-ON® im Bezug auf die Symptome und die Responderrate (73,3 vs. 58,4 Prozent) (6). 

http://www.amazon.de/Mineralstoffe-Spurenelemente-unterstuetzenden-Behandlung-Erkrankungen/dp/1512235180/ref=sr_1_4?ie=UTF8&qid=1434921181&sr=8-4&keywords=Detlef+Nachtigall


Kniegelenkersatz

Zur Frage, ob eine regelmäßige Behandlung mit Hyaluronsäure die langfristig häufig notwendige Kniegelenkersatz-OP verzögern und damit die Krankheitsprogression beeinflussen kann, liegen nur wenige Untersuchungen vor. Ersten Ergebnissen zufolge scheint es möglich, durch die Hyaluronsäure-Behandlung die Notwendigkeit eines künstlichen Kniegelenkersatzes um 2,67 Jahre hinaus zu zögern (7). 

Sprunggelenkarthrose

Neben der Behandlung der Kniegelenksarthrose werden auch weitere degenerativ veränderte Gelenke mit Hyaluronsäure behandelt. Eine Studie an Patienten mit einer Sprunggelenksarthrose hat die Langzeitwirksamkeit und Verträglichkeit untersucht. Bei insgesamt 18 Patienten, die über einen Zeitraum von im Mittel 45 Monaten im Durchschnitt alle zwei Jahre drei Injektionen erhalten hatten, konnte bei 73 Prozent ein gutes oder sehr gutes Therapieergebnis dokumentiert werden (11).


Ausblick

Weitere Langzeit-Untersuchungen zur Wirksamkeit von Hyaluronsäure sind notwendig. Dabei gilt es die Frage zu beantworten, ob die Hyaluronsäure-Behandlung geeignet ist, die Krankheitsprogression insgesamt zu verlangsamen, d.h. der fortschreitenden Gelenkzerstörung entgegenzuwirken. Erste Daten deuten darauf hin, dass die langfristige Hyaluronsäure-Gabe den Gelenkersatz (z.B. Endoprothese des Kniegelenks) hinauszögern könnte.
Das könnte Sie interessieren:
Naturheilmittel zur Behandlung der schmerzhaften Gelenkarthrose


Weitere Anwendungsgebiete von Hyaluronsäure

Aufgrund anti-entzündlicher und antibakterieller Eigenschaften scheint Hyaluronsäure geeignet zur Behandlung der Parodontose (Parodontitis). Die Autoren einer Übersichtsarbeit bescheinigen der Substanz als Ergänzung zur konventionellen Behandlung einer Parodontitis durchaus ein therapeutisches Potential (9).

Patienten mit einer Mukoviszidose (Cystischen Fibrose) können möglicherweise auch von einer Ergänzung ihrer Therapie mit Hyaluronsäure profitieren. Mukoviszidose-Patienten, die die Inhalation von hypertoner Kochsalzlösung bisher nicht vertragen hatten, zeigten unter der Zugabe von Hyaluronsäure eine Abnahme von Husten und Rachenreizung (10).


Fazit

Die regelmäßige intraartikuläre Injektion von Hyaluronsäure kann innerhalb von 3 Monaten bei Arthrose-bedingten Kniegelenksschmerzen zu einer Schmerzabnahme im betroffenen Gelenk um 40 bis 50 Prozent im Vergleich zum Ausgangswert beitragen.
Studien zufolge gibt es zum Teil deutliche Unterschiede in der Wirksamkeit der verschiedenen Hyaluronsäure-Präparate.
Aufgrund der zum Teil widersprüchlichen Studienergebnisse kann derzeit nicht eindeutig entschieden werden, ob einzelne Formulierungen anderen relevant überlegen sind. In der Tendenz weisen die Studienergebnisse auf eine bessere Wirksamkeit der Hyaluronsäure-Präparate mit mittlerem bis hohem Molekulargewicht hin.
Es liegen jedoch Hinweise vor, dass Hyaluronsäure-Präparate mit hohem Molekulargewicht ein höheres Nebenwirkungsrisiko aufweisen.

http://www.amazon.de/Naturheilmittel-Arzneimittel-med-Detlef-Nachtigall-ebook/dp/B00GNKM3HY/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1397374242&sr=1-1&keywords=naturheilmittel+pflanzliche+arzneimittel


Literatur

1. Rutjes AW, Jüni P, da Costa BR, Trelle S, Nüesch E, Reichenbach S. Viscosupplementation for Osteoarthritis of the Knee: A Systematic Review and Meta-analysis. Ann Intern Med. 2012 Aug 7;157(3):180-91.

2. Bellamy N, Campbell J, Robinson V, Gee T, Bourne R, Wells G. Viscosupplementation for the treatment of osteoarthritis of the knee. Cochrane Database Syst Rev. 2006 Apr 19;(2):CD005321.

3. Colen S, van den Bekerom MP, Mulier M, Haverkamp D. Hyaluronic Acid in the treatment of knee osteoarthritis: a systematic review and meta-analysis with emphasis on the efficacy of different products. BioDrugs. 2012 Aug 1;26(4):257-68.

4. Bannuru RR, Natov NS, Obadan IE, Price LL, Schmid CH, McAlindon TE. Therapeutic trajectory of hyaluronic acid versus corticosteroids in the treatment of knee osteoarthritis: a systematic review and meta-analysis. Arthritis Rheum. 2009 Dec 15;61(12):1704-11.

5. Reichenbach S, Blank S, Rutjes AW, Shang A, King EA, Dieppe PA, Jüni P, Trelle S. Hylan versus hyaluronic acid for osteoarthritis of the knee: a systematic review and meta-analysis. Arthritis Rheum. 2007 Dec 15;57(8):1410-8.

6. Berenbaum F, Grifka J, Cazzaniga S, D'Amato M, Giacovelli G, Chevalier X, Rannou F, Rovati LC, Maheu E. A randomised, double-blind, controlled trial comparing two intra-articular hyaluronic acid preparations differing by their molecular weight in symptomatic knee osteoarthritis. Ann Rheum Dis. 2012 Sep;71(9):1454-60.

7. Mar J, et al. [Cost-analysis of viscosupplementation treatment with hyaluronic acid in candidate knee replacement patients with osteoarhritis]. Rev Esp Cir Ortop Traumatol. 2013 Jan-Feb;57(1):6-14.

8. Chen WL, et al. Comparison of Intra-articular Hyaluronic Acid Injections With Transcutaneous Electric Nerve Stimulation for the Management of Knee Osteoarthritis: A Randomized Controlled Trial. Arch Phys Med Rehabil. 2013 Apr 27. pii: S0003-9993(13)00315-8.

9. Dahiya P, et al. Hyaluronic Acid: a boon in periodontal therapy. N Am J Med Sci. 2013 May;5(5):309-15.

10. Ros M, et al. Hyaluronic Acid Improves the Tolerability of Hypertonic Saline in the Chronic Treatment of Cystic Fibrosis Patients: A Multicenter, Randomized, Controlled Clinical Trial. J Aerosol Med Pulm Drug Deliv. 2013 Jun 8. [Epub ahead of print]

11. Lucas Y Hernandez J, et al. Viscosupplementation of the ankle: A prospective study with an average follow-up of 45.5 months. Orthop Traumatol Surg Res. 2013 Jul 8. pii: S1877-0568(13)00109-6.



Magnesium und Blutdruck - Hat Magnesium eine blutdrucksenkende Wirkung?

 

Welche Bedeutung hat die Magnesiumzufuhr bei der Behandlung einer essentiellen Hypertonie?



Senkt Magnesium den Blutdruck?


Hintergrund

In letzten Jahren gab es vermehrt Hinweise, dass auch ein Magnesium-Mangel neben anderen Elektrolytstörungen die Entwicklung eines Bluthochdrucks begünstigen kann (13-16).

Aufgrund seiner vielfältigen Stoffwechselfunktionen - Magnesium ist ein essenzieller Cofaktor von über 300 enzymatischen Reaktionen - ist es nicht verwunderlich, dass eine unzureichende Magnesiumversorgung zu einer Vielzahl an biochemischen Störungen und klinischen Mangelsymptomen führen kann.

Der Magnesiumgesamtbestand eines 70 kg schweren, gesunden Menschen liegt etwa bei 24 g. Vom Gesamtkörperbestand befinden sich etwa 50 bis 60 % im Knochen und ca. 30 % in der Muskulatur. Ca. 1 % des gesamten Magnesiums befindet sich im Extrazellularraum.


Einfluss von Magnesium auf das Risiko an Bluthochdruck zu erkranken

Epidemiologische Studien zeigen eine inverse Beziehung zwischen der Magnesiumaufnahme über die Ernährung und der Bluthochdruck-Häufigkeit. Personen mit einer täglichen Magnesiumaufnahme von mehr als 300 mg hatten ein etwa 22 Prozent geringeres Risiko einen Bluthochdruck zu entwickeln als Personen mit einer Magnesium-Aufnahme von weniger als 200 mg/Tag (2). In der Honolulu Heart Study zeigte sich, dass die Magnesiumaufnahme von allen untersuchten 61 Nährstoffen die am stärksten ausgeprägte inverse Beziehung zur Höhe des Blutdrucks aufwies (3).


Magnesium als Ergänzung einer antihypertensiven Therapie

Eine Magnesium-Supplementation kann sich ergänzend zu einer medikamentösen antihypertensiven Therapie positiv auf den Blutdruck auswirken. In einer Metaanalyse zeigte oral zugeführtes Magnesium einen dosisabhängigen blutdrucksenkenden Effekt. Eine Zunahme der täglichen Magnesiumzufuhr um 10 mmol senkt der Analyse zufolge den systolischen Blutdruck um 4,3 mmHg und den diastolischen Blutdruck um 2,3 mmHg (11).


Magnesium-Mangel als Ursache für ein unzureichendes Ansprechen auf eine antihypertensive Therapie

Einer weiteren Untersuchung zufolge weisen Bluthochdruck-Patienten im Vergleich zu Kontrollpersonen signifikant häufiger einen Magnesium-Mangel auf. Der Ausgleich des Magnesiumdefizits führte in dieser Untersuchung zu einer Abnahme des systolischen Blutdrucks um bis zu 20 mmHg und des diastolischen Blutdrucks um bis zu 9 mmHg (16).

http://www.amazon.de/Ratgeber-Naturheilmittel-Wirkungen-wichtigsten-Heilpflanzen/dp/149295246X/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1397806616&sr=1-1&keywords=ratgeber+naturheilmittel+-+welche+wirkungen+sind+belegt


Optimierte Magnesium-Zufuhr – Wie stark kann der Blutdruck gesenkt werden?

In einer kürzlich veröffentlichten Metaanalyse zur Wirkung von Magnesium auf den Blutdruck (1) wurden die Daten aus 22 kontrollierten Studien ausgewertet. Obwohl nicht in allen Studien eine Blutdrucksenkung nachgewiesen werden konnte, ergab der Mittelwert über alle Studien eine signifikante Abnahme des systolischen Blutdrucks von 4,3 mmHg und des diastolischen Blutdrucks von 2,3 mmHg. Eine ausgeprägtere Senkung des Blutdrucks zeigte sich in Crossover-Studien und in Untersuchungen mit einer Aufnahme von mehr als 370 mg Magnesium/Tag. Die Autoren schlussfolgern, dass eine Magnesium-Supplementierung eine geringe, aber klinisch relevante Verringerung des Blutdrucks erreicht (1).

Trotz überzeugender epidemiologischer Daten sind die Ergebnisse aus klinischen Studien zur Auswirkung einer Magnesium-Supplementation auf den Blutdruck widersprüchlich. In einigen Studien zeigte sich eine signifikante Reduktion der Blutdruckwerte (4, 5, 6), in anderen hingegen nicht (7, 8, 9, 12). In einer Studie wurde beispielsweise über eine statistisch signifikante Abnahme des Blutdrucks nach Einnahme von 480 mg Magnesium/Tag über 8 Wochen berichtet (10). Lind und Mitarbeiter konnten hingegen in ihrer Untersuchung keine signifikante Reduktion des Blutdrucks feststellen, beobachtet aber in einer Subgruppe von Patienten mit nachgewiesenem Magnesiummangel eine relevante Blutdrucksenkung unter der Magnesium-Gabe (9). Eine deutliche Senkung des Blutdrucks (12/8 mmHg syst./diast.) beobachtete eine Forschergruppe bei Hochdruck-Patienten, die über lange Zeit Diuretika erhalten hatten und bei denen daher wahrscheinlich ein Magnesium-Mangel vorlag (4). Eine mögliche Erklärung für diese diskrepanten Studien-Ergebnisse könnte in der unterschiedlichen Dosierung von Magnesium liegen. In Studien mit einer signifikanten Blutdruck-Senkung wurden täglich mindestens 960 mg Magnesium verabreicht, im Vergleich zu Dosierungen von 480 bis 720 mg in Untersuchung ohne eine signifikante Blutdruckabnahme (11).

http://www.amazon.de/Mineralstoffe-Spurenelemente-unterstuetzenden-Behandlung-Erkrankungen/dp/1512235180/ref=sr_1_4?ie=UTF8&qid=1434921181&sr=8-4&keywords=Detlef+Nachtigall


Fazit

Die bisherigen Ergebnisse zusammenfassend, kann davon ausgegangen werden, dass eine ausreichend hoch dosierte Magnesiumgabe ergänzend zur antihypertensiven Standardtherapie einen relevanten blutdrucksenkenden Effekt hat. Keinesfalls kann eine Magnesiumeinnahme eine medikamentöse antihypertensive Behandlung ersetzen. Es liegen deutliche Hinweise vor, dass ein Magnesium-Mangel zu einem unzureichenden Ansprechen von blutdrucksenkenden Medikamenten führen kann. Besonders Bluthochdruck-Patienten mit einer zu geringen Magnesiumzufuhr über die Ernährung könnten von einer Magnesium-Supplementation in Ergänzung zur medikamentösen Standardtherapie profitieren.


Blutdrucksenkende Wirkung von Naturstoffen:

http://www.amazon.de/Naturheilmittel-Arzneimittel-wissenschaftlicher-Phytopharmaka-Evidenzbasierte/dp/1493706365/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1397806789&sr=1-1&keywords=naturheilmittel+pflanzliche+arzneimittel

Weitere Beiträge zur Wirkung von Spurenelementen und Mineralstoffen: 

 

Literatur


1. Kass L, Weekes J, Carpenter LEffect of magnesium supplementation on blood pressure: a meta-analysis. Eur J Clin Nutr. 2012 Apr;66(4):411-8.

2. Witteman JC, Willett WC, Stampfer MJ, et al. A prospective study of nutritional factors and hypertension among US women. Circulation. 1989; 80:1320–1327.

3. Joffres MR, Reed DM, Yano K. Relationship of magnesium intake and other dietary factors to blood pressure: the Honolulu heart study. Am J Clin Nutr. 1987; 45:469–475.

4. Dyckner T, Wester PO. Effect of magnesium on blood pressure. Br Med J (Clin Res Ed). 1983; 286:1847–1849.

5. Motoyama T, Sano H, Fukuzaki H. Oral magnesium supplementation in patients with essential hypertension. Hypertension. 1989; 13:227–232.

6. Widman L, Wester PO, Stegmayr BK, et al. The dose-dependent reduction in blood pressure through administration of magnesium. A double blind placebo controlled cross-over study. Am J Hypertens. 1993; 6:41–45.

7. Ferrara LA, Iannuzzi R, Castaldo A, et al. Long-term magnesium supplementation in essential hypertension. Cardiology. 1992; 81:25–33.

8. Cappuccio FP, Markandu ND, Beynon GW, et al. Lack of effect of oral magnesium on high blood pressure: a double blind study. Br Med J (Clin Res Ed). 1985; 291:235–238.

9. Lind L, Lithell H, Pollare T, et al. Blood pressure response during long-term treatment with magnesium is dependent on magnesium status. A double-blind, placebo-controlled study in essential hypertension and in subjects with high-normal blood pressure. Am J Hypertens. 1991; 4:674–679.

10. Kawano Y, Matsuoka H, Takishita S, et al. Effects of magnesium supplementation in hypertensive patients: assessment by office, home, and ambulatory blood pressures. Hypertension. 1998; 32:260–265.

11. Jee SH, Miller ER III, Guallar E, et al. The effect of magnesium supplementation on blood pressure: a meta-analysis of randomized clinical trials. Am J Hypertens. 2002; 15:691–696.

12. Dickinson HO, Nicolson DJ, Campbell F, Cook JV, Beyer FR, Ford GA, Mason J. Magnesium supplementation for the management of essential hypertension in adults. Cochrane Database Syst Rev. 2006 Jul 19;(3):CD004640.

13. Altura BM, Altura BT. Cardiovascular risk factors and magnesium: relationship to atherosclerosis, ischemic heart disease and hypertension. Magnes Trace Elem 1991;10:182 – 192.

14. Kisters K, et al. Decreased cellular magnesium concentrations in a subgroup of hypertensives – cell models for the pathogenesis of primary hypertension. Hum Hypertens 1997;11:367 – 372.

15. Kisters K, et al. Decreased cellular magnesium concentrations in a subgroup of hypertensives. Membrane model for the pathogenesis of primary hypertension. Am J Hypertens 1998;11:1390 – 1393.

16. Michón P. Level of total and ionized magnesium fraction based on biochemical analysis of blood and hair and effect of supplemented magnesium (Slow Mag B6) on selected parameters in hypertension of patients treated with various groups of drugs. Am Acad Med Stetin 2002;48:85 – 97.


Coenzym Q10 – wirksam oder unwirksam?


Welche Erkrankungen sprechen auf eine Coenzym-Q10-Behandlung an?



Wirkt Coenzym Q10?



Hintergrund

Coenzym Q10 ist eine körpereigene Substanz. Sie wird zum Teil über die Nahrung aufgenommen, aber auch vom Körper selbst produziert.

Als Bestandteil der Atmungskette ist Coenzym Q10 essenziell z.B. für die Energiebereitstellung in den Mitochondrien. Hohe Q10-Konzentrationen finden sich in Organen mit einem hohen Energiebedarf wie Herz, Leber oder Lunge.

Alternative Bezeichnungen für Coenzym Q10 sind: Vitamin Q10, CoQ10, Q10, Ubiquinon, Mitoquinone, Neuquinone.

Coenzym Q10 wird in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel angeboten und ist Bestandteil vieler Kosmetika.

Link: Das Wesentliche zusammengefasst – Coenzym Q10 kurz und bündig