Vitamin B2 (Riboflavin) zur Prophylaxe von Migräne-Attacken



Vermindert Riboflavin die Häufigkeit von Migräne?



Hintergrund

Migräne-Kopfschmerzen reichen von mäßig bis zu sehr schwer ausgeprägten Beschwerden. Eine phasenweise auftretende Migräne betrifft ca. 17 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer. Die Migräne wird je nach Häufigkeit unterteilt in eine episodische und eine chronische Form. Während die episodische Form an weniger als 15 Tage pro Monat auftritt, werden bei der chronischen Migräne ≥ 15 Kopfschmerztage pro Monat berichtet. Manchmal wird eine Migräne auch als chronisch bezeichnet, wenn die Kopfschmerzen über längere Zeit immer wieder auftreten. Die chronische Form der Migräne betrifft etwa 1,4 bis 2,2 Prozent der Erwachsenen (13).

Etwa vierzig Prozent der Erwachsenen mit einer phasenweise auftretenden Migräne und allen Patienten mit chronischer Migräne könnten von vorbeugenden Medikamenten profitieren, doch nur etwa 12 Prozent der Erwachsenen mit häufigen Migräne-Anfällen nehmen vorbeugend Medikamente ein (13).


Empfehlungen zur vorbeugenden Behandlung der Migräne

Die Empfehlungen für eine präventive Behandlung sind sehr unterschiedlich. Die amerikanischen Migräne-Fachgesellschaften empfehlen eine vorbeugende Behandlung für diejenigen, die zwei oder mehr Kopfschmerz-Attacken mit deutlicher Beeinträchtigung erfahren, und darüber hinaus für all diejenigen, die vier oder mehr monatlich Kopfschmerz-Episoden mit eher weniger schwerer Beeinträchtigung erleben. Andere Leitlinien hingegen empfehlen vorbeugende Therapien für Patienten, die fünf oder mehr Migräne-Attacken pro Monat haben. Im Extremfall sollen nur diejenigen behandelt werden, die einen Kopfschmerz an den meisten Tagen des Monats erleben. Oftmals wird eine vorbeugende Behandlung nur für 6 bis 9 Monate empfohlen (13). 

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Stellenwert von Naturheilmitteln zur Migräne-Prophylaxe

Auch angesichts der Vielzahl möglicher Nebenwirkungen der konventionellen verschreibungspflichtigen Medikamente gibt es eine steigende Nachfrage nach "natürlichen" Behandlungen von Kopfschmerzen mit Vitaminen, Mineralstoffen und anderen Naturheilmitteln.

Naturheilmittel können als Ergänzung zur medikamentösen Therapie mit z.B. Topiramat, Onabotulinumtoxin A und Propranolol eingesetzt werden. In weniger schweren Fällen können Naturheilmittel wie z.B. Pestwurz, Mutterkraut, Magnesium und Vitamin B2 (Riboflavin) auch alternativ zu chemisch definierten Arzneimitteln zur Vorbeugung der Migräne angewandt werden (4, 9, 11).

Im folgenden Beitrag wird die aktuelle Studienlage zur Wirksamkeit von Riboflavin (Vitamin B2) zur vorbeugenden Behandlung der Migräne dargestellt und bewertet.



Funktion von Vitamin B2

Vitamin B2 oder Riboflavin hat wichtige Funktionen im Energiestoffwechsel des Menschen. Es spielt eine zentrale Rolle als Coenzym in der mitochondrialen Atmungskette. Darüber hinaus ist Vitamin B2 als Coenzym der Glutathion-Reduktase wesentlich an der Regeneration von L-Glutathion, einem wichtigen Antioxidans, beteiligt. In der Pathogenese der Migräne wird unter anderem auch eine Störung des mitochondrialen Energiestoffwechsels diskutiert (8).

Die empfohlene tägliche Zufuhr von Vitamin B2 beträgt für Jugendliche und Erwachsene 1,2 bis 1,5 mg. Die Vitamin-B2-Konzentration im Vollblut liegt bei ausreichender Vitaminversorgung zwischen 80 und 200 µg/l.

Zu den Arzneimitteln die den Vitamin-B2-Stoffwechsel stören und daher ggf. eine zusätzliche Aufnahme nötig machen, zählen u.a. orale Kontrazeptiva und trizyklische Antidepressiva.
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Klinische Studien zur Anwendung von Vitamin B2 bei Migräne-Kopfschmerzen

In einer Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie an 55 Patienten mit Migräne wurde geprüft, ob Vitamin B2 die Häufigkeit und Schwere der Migräne-Attacken reduzieren kann. Die Patienten erhielten über einen Zeitraum von drei Monaten täglich 400 mg Vitamin B2 oder Placebo. Am Ende Behandlungsphase war die Migränehäufigkeit in der Placebogruppe unverändert, in der Vitamin-B2-Gruppe hatte sie hingegen von 3,8 auf 1,8 pro Monat signifikant abgenommen. Auch die Dauer und der Schweregrad der Attacken wurden durch Vitamin B2 signifikant verringert (12).
Ähnliche Ergebnisse lieferten zwei nicht Placebo-kontrollierte Untersuchungen: In der ersten Studie erhielten 41 Kinder und Jugendliche mit Migräne täglich 200 mg bzw. 400 mg Vitamin B2 über einen Zeitraum von 3 bis 6 Monaten. Auch hier wurden Häufigkeit und Intensität der Migräne-Attacken durch Vitamin B2 gesenkt (3).
In der zweiten Studie konnte unter einer täglichen Dosierung von 400 mg Riboflavin nach 3 und 6 Monaten Behandlung eine Verminderung der Migräne-Häufigkeit von im Mittel 4 auf 2 Attacken pro Monat dokumentiert werden (1). Auch der Bedarf an Schmerzmedikamenten wurde von durchschnittlich 7 Einzelgaben auf 4,5 reduziert. Hingegen konnten die Intensität und die Dauer der einzelnen Migräne-Episoden nicht verringert werden (1).

Dem entgegen stehen Untersuchungen, in denen unter Riboflavin keine bessere Wirkung als unter Placebo gesehen wurde.
Die Wirksamkeit von täglich 200 mg Riboflavin zur Migräneprophylaxe wurde in einer Doppelblindstudie an 48 Kindern im Vergleich zu Placebo untersucht (6). Der primäre Studienendpunkt war die Anzahl der Patienten, die eine mindestens 50-prozentige Reduktion der Anzahl der Migräne-Attacken innerhalb einer 4-Wochen-Periode zeigten. Weitere Endpunkte waren der mittlere Schweregrad der Migräne, die durchschnittliche Dauer der Migräne, die Zahl der Tage mit Übelkeit oder Erbrechen, der Gebrauch von Schmerzmitteln und die Häufigkeit von Nebenwirkungen. Ergebnisse: Eine mindestens 50-prozentige Reduktion der Kopfschmerzen wurde bei 14/21 Patienten in der Placebogruppe und 12/27 Patienten in der Riboflavin-Gruppe (nicht signifikant p = 0.125) gesehen. Es gab keine signifikanten Unterschiede zwischen Riboflavin und Placebo bei den primären oder sekundären Zielparametern. Diese Ergebnisse legen nahe, dass Riboflavin bei der Verhinderung von Migräne bei Kindern nicht wirksamer ist als Placebo. Auffällig in dieser Studie war die ungewöhnlich hohe Placebo-Ansprechrate (6).
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Eine weitere Untersuchung an Kindern lieferte Hinweise, dass eine tägliche Dosierung von 50 mg Riboflavin nicht wirksamer ist als Placebo bei der Verminderung der Migräne-Anfallsfrequenz (2). Ein interessanter Nebeneffekt dieser Studie war die Beobachtung, dass sich bei Kindern mit Spannungskopfschmerzen die Häufigkeit unter der Riboflavin-Gabe signifikant verminderte.
Auch die kombinierte Gabe von Riboflavin (Vitamin B2), Magnesium und Mutterkraut wurde in einer kontrollierten Studie an 120 Migräne-Patienten über einen Zeitraum von 12 Wochen untersucht (7). Im Ergebnis zeigte sich, dass für die Kombination aus täglich 100 mg Mutterkraut, 300 mg Magnesium und 400 mg Riboflavin zwar bei 42 % der Patienten eine mindestens 50-prozentige Abnahme der Migräneanfälle dokumentiert werden konnte, dieser Unterschied aber keine Signifikanz im Vergleich zur Kontrollgruppe erreichte. Formal war damit die Kombinationsbehandlung zur Vorbeugung von Migräne-Anfällen nicht wirksamer als die Vergleichsgruppe, die nur 25 mg Riboflavin erhalten hatte (7).

Dosierung und Anwendungsdauer

In einer retrospektiven Analyse zur Anwendung von Riboflavin bei Kindern und Jugendlichen zur Vorbeugung von Migränekopfschmerzen wurde als wirksame tägliche Dosierung 200 mg Riboflavin ermittelt. Nach Einschätzung der Autoren sei eine Behandlungsdauer von 4 Monaten notwendig, um ein optimales Ergebnis zu erzielen (3).


Verträglichkeit von Riboflavin

Vitamin B2 besitzt eine geringe Toxizität. Über relevante unerwünschte Wirkungen wurde in Studien selbst bei hoher Dosierung nicht berichtet. Eine starke Gelbfärbung des Urins ist das Zeichen einer erhöhten Riboflavin-Ausscheidung und gilt als unbedenklich.


Fazit

Zahlreiche Studien deuten auf eine relevante Verminderung der Migräne-Häufigkeit unter der Behandlung mit Riboflavin (Vitamin B2) hin. Placebo-kontrollierte Untersuchungen zur Wirksamkeit bei Erwachsenen und Kindern kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen. Wichtige Voraussetzung für eine optimale Wirkung der vorbeugenden Einnahme von Riboflavin scheint die langfristige Behandlung mit einer ausreichend hohen Dosierung. Seine volle Wirkung entfaltet Riboflavin erst nach mehrmonatiger Einnahme. Aufgrund seiner guten Verträglichkeit ist Riboflavin eine sinnvolle Ergänzung zur medikamentösen Migräneprophylaxe z.B. mit Betablockern (u.a. Propranolol)(11).
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Literatur

1. Boehnke C, Reuter U, Flach U, et al. High-dose riboflavin treatment is efficacious in migraine prophylaxis: an open study in a tertiary care centre. European Journal of Neurology 2004 Jul; 11(7):475-7; PMID: 15257686.
2. Bruijn J, Duivenvoorden H, Passchier J, Locher H, Dijkstra N, Arts WF. Medium-dose riboflavin as a prophylactic agent in children with migraine: a preliminary placebo-controlled, randomised, double-blind, cross-over trial. Cephalalgia. 2010 Dec;30(12):1426-34.
3. Condo M, et al. Riboflavin prophylaxis in pediatric and adolescent migraine. J Headache Pain 2009;10(5):361 – 365.
4. Davis JS. High-dose riboflavin for the prevention of migraine: can we afford to ignore it? Internal Medicine Journal 2004 Jun; 34(6):372-3; author reply 3
5. Di Lorenzo C, Pierelli F, Coppola G, et al. Mitochondrial DNA haplogroups influence the therapeutic response to riboflavin in migraineurs. Neurology 2009 May 5;72(18):1588-94
6. MacLennan SC, Wade FM, Forrest KM, et al. High-dose riboflavin for migraine prophylaxis in children: a double-blind, randomized, placebo-controlled trial. J Child Neurol 2008 Nov; 23(11):1300-4
7. Maizels M, Blumenfeld A, Burchette R. A combination of riboflavin, magnesium, and feverfew for migraine prophylaxis: a randomized trial. Headache 2004 Oct; 44(9):885-90.
8. Markley HG. CoEnzyme Q10 and riboflavin: the mitochondrial connection. Headache. 2012 Oct;52 Suppl 2:81-7.
9. Mattimoe D, Newton W. High-dose riboflavin for migraine prophylaxis. J Fam Pract 1998 Jul; 47(1):11;
10. Panetta J, et al. Effect of high-dose vitamins, coenzyme Q and high-fat diet in paediatric patients with mitochondrial diseases. J Inherit Metab 2004;27(4):487 – 498.
11. Sandor PS, et al. Prophylactic treatment of migraine with beta-blockers and riboflavin: differential effects on the intensity dependence of auditory evoked cortical potentials. Headache 2000;40:30 – 35.
12. Schoenen J, Jacquy J, Lenaerts M. Effectiveness of high-dose riboflavin in migraine prophylaxis. A randomized controlled trial. Neurology 1998 Feb; 50(2):466-70; PMID: 9484373.
13. Shamliyan TA, Kane RL, Taylor FR. Migraine in Adults: Preventive Pharmacologic Treatments [Internet]. Rockville (MD): Agency for Healthcare Research and Quality (US); 2013 Apr.



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