Update Vitamin C - Stellenwert von Vitamin C zur Vorbeugung und Behandlung von Erkrankungen



  • Welche Wirkungen von Vitamin C sind belegt?

  • Bei welchen Erkrankungen ist eine Vorbeugung mit Vitamin C sinnvoll?

  • Bei welchen Erkrankungen ist eine zusätzliche Vitamin-C-Einnahme wirksam?

  • Bei welchen Erkrankungen hat sich Vitamin C als unwirksam erwiesen?



Hintergrund

Der folgende Beitrag dokumentiert die jüngsten Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit von Vitamin C (Ascorbinsäure). Zahlreiche neue Erkenntnisse zu Vitamin C sind für die Vorbeugung und unterstützende Behandlung von Krebs veröffentlicht worden. Weitere Beiträge beziehen sich auf die Prävention von Asthmaanfällen, die Heilung von Knochenbrüchen und die Vorbeugung von Seekrankheit. Ebenfalls diskutiert werden Untersuchungen zum Einfluss von Vitamin C auf die Gedächtnisleistung, die Wundheilung und den Eisenstoffwechsel. Ein Dauerthema ist die Wirksamkeit von Vitamin C bei Erkältungskrankheiten. Dass die Ergebnisse zur Wirksamkeit von Vitamin C sehr gegensätzlich ausfallen, verdeutlicht ein Beispiel: Während Vitamin C möglicherweise einen positiven Einfluss auf Entzündungsreaktionen ausübt, zeigen andere Untersuchungen, dass eine hochdosierte Anwendung von Vitamin C sich negativ auf das sportliche Training auswirken kann.



Vitamin C und Krebs



Stellenwert von Vitamin C in der Krebstherapie

Die intravenöse Vitamin-C-Gabe ist eine umstrittene Zusatztherapie bei Krebs, die weithin in der naturheilkundlichen orientierten Onkologie Berücksichtigung findet. 

In einer Metaanalyse wurden insgesamt 37 Studien zur Wirksamkeit der intravenösen Vitamin-C-Gabe bei Krebs bewertet: zwei randomisierten kontrollierten Studien, 15 unkontrollierten Studien, 6 Beobachtungsstudien und 14 Fallberichte (9). Die intravenöse Vitamin-C-Dosierung reichte von 1 g bis 200 g Ascorbinsäure pro Infusion, verabreicht in der Regel 2- bis 3-mal pro Woche. Intravenöses Vitamin C erhöht nicht die Toxizität oder vermindert die Antitumor-Wirkung von Gemcitabin/Erlotinib-Therapie oder Paclitaxel und Carboplatin. Basierend auf den Ergebnissen einer randomisiert kontrollierten Studie und den Daten aus unkontrollierten Studien am Menschen lassen sich folgende Wirkungen ableiten: Intravenöses Vitamin C kann die Zeit bis zum Rezidiv verlängern, möglicherweise die Tumormasse vermindern und das Überleben in Kombination mit der Chemotherapie verbessern. Intravenöses Vitamin C kann zudem die Lebensqualität und einzelne körperliche Funktion verbessern und die mit der Chemotherapie einhergehende Toxizität günstig beeinflussen. Es wurde über eine Verminderung von Müdigkeit, Übelkeit, Schlaflosigkeit, Verstopfung und Depressionen berichtet. Fallberichte dokumentieren Fälle einer Tumorrückbildung und ein langfristig krankheitsfreies Überleben unter der Behandlung mit Vitamin C.

Fazit. Es gibt nur eine begrenzte Evidenz zur Sicherheit und Wirksamkeit der intravenösen Vitamin-C-Behandlung bei Krebs. Die bisherigen Daten deuten auf ein gutes Sicherheitsprofil und möglicherweise auf eine Antitumoraktivität hin (9).


Zusammenhang zwischen der Einnahme von Vitamin C und dem Risiko an Lungenkrebs zu erkranken

Epidemiologische Studien über den Zusammenhang von Vitamin-C-Einnahme und Lungenkrebsrisiko haben widersprüchliche Ergebnisse gezeigt. Eine kürzlich erschienene Meta-Analyse hat kontrollierte klinische Studie zu dieser Fragestellung analysiert (16).

Insgesamt 21 Studien mit 8938 Lungenkrebsfällen wurden in dieser Metaanalyse eingeschlossen.

Ergebnisse: Wenn Patienten mit den höchsten Vitamin-C-Aufnahmen mit denen mit der geringsten Vitamin-C-Zufuhr verglichen wurden, so zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang in Bezug auf das Risiko von Lungenkrebs (relatives Risiko (RR) = 0,829, 95% CI = 0,734 bis 0,937). Es wurde eine lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der Vitamin-C-Aufnahme und dem Lungenkrebsrisiko gefunden. Für jede 100 mg / Tag Erhöhung der Zufuhr von Vitamin C wurde ein Rückgang für das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken um 7% dokumentiert (RR = 0,93, 95% CI 0,88 bis 0,98). Diese Daten können dahin gehend interpretiert werden, dass die höhere Aufnahme von Vitamin C eine Schutzwirkung gegenüber dem Auftreten von Lungenkrebs haben könnte (16).


Wird das allgemeine Krebsrisiko durch Vitamin C beeinflusst?

In einer großen Studie wurde geprüft, ob eine Vitamin-E- oder Vitamin-C-Supplementierung das Krebsrisiko beeinflusst (22). Die Ereignisse entstammen der Nachbeobachtungsphase (Follow-up) der Physicians 'Health Study II. Beginnend im Jahr 1997 erhielten insgesamt 14.641 männlichen US-Bürger im Alter ≥50 Jahren randomisiert entweder 400 IE Vitamin E (jeden zweiten Tag), 500 mg Vitamin C täglich, oder die jeweiligen Placebos. Die Vitamin-E- und die Vitamin-C-Behandlung wurden nach 10 Jahren beendet, die Teilnehmer jedoch weitere 4 Jahre nachbeobachtet.

Ergebnisse: Im Vergleich zu Placebo hatte Vitamin E keinen Einfluss auf die Inzidenz von Prostatakrebs (HR: 0,99, 95% CI: 0,89, 1,10) oder Gesamtkrebserkrankungen (HR: 1,02, 95% CI: 0,95, 1,10). Es gab auch keine Hinweise für eine positive Wirkung der Vitamin-C-Supplementation auf Gesamtkrebserkrankungen (HR: 1,02, 95% CI: 0,94, 1,10) oder die Häufigkeit von Prostatakrebs (HR: 1,03, 95% CI: 0,93, 1,15). Weder die Vitamin-E- noch die Vitamin-C-Supplementierung hatten Auswirkungen auf einzelne Krebserkrankungen.

Fazit: In dieser großen randomisierten Studie bei Männern hatte die Vitamin-E- und -C-Supplementierung keine unmittelbaren oder langfristigen Auswirkungen auf das Risiko von Krebserkrankungen insgesamt, Prostatakrebs oder anderen ausgewählten Krebserkrankungen (22).


Ist eine Vorbeugung von Darmkrebs mit Antioxidantien möglich?

Eine weitere Metaanalyse fand keine Belege für eine schützende Wirkung von Antioxidantien (u.a. Vitamin C und E) in der Prävention von Darmkrebs. In einer Subgruppenanalyse zeigte die Kombination aus Vitamin C und Vitamin E eine geringe Verminderung für das Risiko an einem Darmkrebs zu erkranken. Auch die Krebssterblichkeit wurde den Daten zufolge durch eine Anwendung von Antioxidantien nicht beeinflusst (19).


Vitamin C und Asthma bronchiale



Infekt-getriggertes Asthma bronchiale – Stellenwert von Vitamin C



Hintergrund

Asthma-Exazerbationen werden oft durch eine banale Erkältung ausgelöst, diese wiederum kann durch Vitamin C abgemildert werden. In einer Literaturanalyse wurde prüfen, ob eine Vitamin-C-Gabe einen Einfluss auf die Symptomatik eines durch Erkältung getriggerten Asthma bronchiale hat (13). Es ist bekannt, dass sich die bronchiale Überempfindlichkeit bei Gesunden und Asthmatikern im Rahmen von viralen Infektionen erhöht und dadurch Asthmatiker empfindlicher werden gegenüber allergischen Reizen.

Drei Studien, die für die Untersuchung der Rolle von Vitamin C auf ein Erkältungs-induziertes Asthma relevant waren, wurden identifiziert. Die Studien hatten insgesamt 79 Teilnehmer, zwei der Studien waren randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studien.
In der ersten Studie an Asthmatiker, deren Asthma-Anfälle regelmäßig durch Infektionen der Atemwege ausgelöst wurden, konnte nachgewiesen werden, dass 1 g Vitamin C pro Tag das Auftreten von Asthmaanfällen um 78 % (95 % CI: 19 % bis 94 %) vermindert. Eine Cross-over-Studie an Patienten mit infektionsbedingten Asthma hatte festgestellt, dass 5 g Vitamin C pro Tag den Anteil der Teilnehmer, die eine bronchiale Überempfindlichkeit gegenüber Histamin zeigten, um 52 Prozent verringerte (95% CI: 25-71). Die dritte Studie, nicht Placebo-kontrolliert, kam zu dem Ergebnis, dass die Verabreichung einer Einzeldosis von 1 Gramm Vitamin C an Gesunden mit einer virusbedingten Erkältung, die bronchiale Überempfindlichkeit auf Histamin (PC20) um das 3,2-fach (95 % CI: 2,0-5,1) reduziert. Bemerkenswert war die Beobachtung, dass die Wirkung von Vitamin C auf die bronchiale Überempfindlichkeit deutlich geringer ausgeprägt war, wenn die gleichen Teilnehmer nicht an einer Erkältung gelitten hatten.


Fazit

Die wenigen bisher durchgeführten Studien weisen darauf hin, dass die Symptomatik eines Infekt-getriggerten Asthma Bronchiale durch die vorbeugende Einnahme von Vitamin C vermindert werden könnte. Vermittelt wird diese Wirkung von Vitamin C wahrscheinlich über eine Verminderung der bronchialen Überempfindlichkeit. Möglicherweise kann eine vorbeugende Vitamin-C-Gabe die Häufigkeit von erkältungsbedingten Exazerbationen bei Asthma-Patienten reduzieren. Für eine allgemeine Empfehlung ist die Datenlage nicht ausreichend. Angesichts der Hinweise kann es für Asthma-Patienten sinnvoll sein, Vitamin C auf individueller Basis zu testen, wenn Asthma-Exazerbationen häufig durch Infektionen der Atemwege hervorgerufen Werden. Weitere Untersuchungen zur Rolle von Vitamin C beim Infekt-getriggerten Asthma sind erforderlich (13).



Vitamin-C-Einnahme zur Vorbeugung von Pneumonien

Es liegen erste Hinweise vor, dass eine zusätzliche Einnahme von Vitamin C das Risiko für das Auftreten einer Lungenentzündung vermindern könnte (12). In einer Literaturanalyse wurden zwei Studien mit einer zufriedenstellenden Methodik identifiziert. In einer randomisierten, doppelblinden und Placebo-kontrollierten Studie an älteren Patienten in Großbritannien wurde eine geringere Sterblichkeit und verringerte Schwere der Pneumonie in der Vitamin-C-Gruppe beschrieben, der Nutzen war im Wesentlichen auf die kranken Patienten beschränkt. Eine weitere Therapie-Studie hatte Erwachsene in der ehemaligen Sowjetunion untersucht und konnte eine dosisabhängige Verringerung der Dauer der Lungenentzündung unter zwei Vitamin-C-Dosierungen dokumentieren.
Die Autoren dieser Übersichtsarbeit gaben jedoch zu Bedenken, dass die aktuellen Erkenntnisse insgesamt nicht ausreichen, um die Anwendung von Vitamin C in der allgemeinen Bevölkerung zur Prophylaxe eine Lungenentzündung zu befürworten (12).


Vitamin C und Gicht

Einfluss von Vitamin C auf Harnsäure-Spiegel

Hohe Harnsäure-Spiegel erhöhen das Risiko eines Gichtanfalls. In einer Placebo-kontrollierten Studie an 172 Dialyse-Patienten konnte nachgewiesen werden, dass eine intravenöse Gabe von 250 mg Vitamin C (3x wöchtl.) über 2 Monate, die Harnsäure-Spiegel signifikant von 6,2 mg/dl auf 5,8 mg/dl im Vergleich zur Placebo-Gruppe vermindert.
Diese Ergebnisse weisen auf eine signifikante inverse Beziehung zwischen Vitamin-C- und Serumharnsäure-Spiegel hin (4).

Eine weitere Untersuchung konnte bestätigen, dass der Harnsäure-Spiegel auch bei ansonsten gesunden Menschen durch die Vitamin-C-Aufnahme beeinflusst wird (1).
In einer Querschnittsuntersuchung an 9400 Personen wurde beobachtet, dass die Vitamin-C-Aufnahme von Männern und Frauen mit erhöhten und mit normalen Harnsäure-Spiegeln signifikant unterschiedlich war. Das Risiko einer Hyperurikämie nahm mit steigender Vitamin-C-Aufnahme bei männlichen und weiblichen Probanden ab. Serum Harnsäurespiegel waren linear mit Gesamt-Vitamin-C-Zufuhr bei Frauen assoziiert, nicht jedoch mit Vitamin-C-Zufuhr in beiden Geschlechtern.

Fazit: Diese Ergebnisse zeigen, dass die Vitamin-C-Zufuhr einen relevanten Einfluss auf das Risiko einer Hyperurikämie ausübt (1). Eine gute Vitamin-C-Versorgung kann das Risiko für einen Gichtanfall vermindern.



Vermindert Vitamin C die Entzündungsreaktion im Körper?

Eine chronische Entzündung gilt als die wichtigste Ursache für kardiovaskuläre Erkrankungen bei Patienten mit Hämodialyse. Vitamin C als ein wichtiges Antioxidans könnte wirksam sein bei der Unterdrückung von Entzündungsreaktionen.
Eine erste Placebo-kontrollierte Doppelblindstudie an 151 Hämodialyse-Patienten kommt zu dem Schluss, dass eine dreimal wöchentliche Injektion von 250 mg Vitamin C über einen Zeitraum von 8 Wochen zu einer signifikanten Abnahme der CRP-Spiegel (16.8 zu 10.7 mg/l) im Vergleich zur Kontrollgruppe führte (3).


Einfluss von Vitamin C auf die Frakturheilung

In einer Studie an insgesamt 336 erwachsenen Patienten mit einem akuten Bruch des Unterarms (distale Radiusfraktur) wurde geprüft, ob die Gabe von 500 mg Vitamin C im Vergleich zu Placebo, täglich für 50 Tage, die Frakturheilung günstig beeinflusst. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Verabreichung von Vitamin C keinerlei Nutzen für den Patienten mit Frakturen am distalen der Radius aufweist. Im Bezug auf die Zeit bis zur Frakturheilung gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen der Vitamin-C- und der Placebo-Gruppe (8).


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Vitamin C zur Vorbeugung von Seekrankheit


Um festzustellen, ob Vitamin C die Symptome einer Seekrankheit vermindert, wurden in einer doppelblinden Placebo-kontrollierten Crossover-Studie 70 Freiwillige für 20 Minuten in einer Rettungsinsel bis zu einem Meter hohe Wellen ausgesetzt. Sie erhielten entweder zwei Gramm Vitamin C oder Placebo, jeweils eine Stunde vor Exposition.
Die Ergebnisse lieferten erste Hinweise, dass Vitamin C wirksam ist bei der Unterdrückung von Symptomen der Seekrankheit, vor allem bei Frauen und Männern, die jünger als 27 Jahre waren (14).


Einfluss von Vitamin C auf den Eisenstoffwechsel

Zunehmende Evidenz deutet darauf hin, dass Vitamin C neben der bekannten Fähigkeit die nicht-Häm-Eisenresorption im Darm zu erhöhen, auch die zelluläre Eisenaufnahme und den Metabolismus reguliert. Vitamin C moduliert den Eisenstoffwechsel durch die Stimulierung der Ferritin-Synthese. Zudem stimuliert Vitamin C die Transferrin-abhängige Eisenaufnahme (15). Eine gute Vitamin-C-Versorgung wirkt sich den Daten zufolge positiv auf den Eisenstoffwechsel aus.


Vitamin C und Wundheilung

Vitamin C ist an allen Phasen der Wundheilung beteiligt. Der Körper ist bestrebt, die Homöostase von Vitamin C zu erhalten, wodurch eine ausreichende Verfügbarkeit für die Kollagen-Synthese sichergestellt wird. Nach der Verwundung verringern sich die Plasma- und Gewebespiegel von Vitamin C, infolgedessen kann es sinnvoll sein, über eine Nahrungsergänzung mit Vitamin C die Heilung zu unterstützen. Kliniker sollten sich bewusst sein, dass ein Vitamin-C-Mangel bei Patienten mit akuten oder chronischen Wunden die Heilung behindern könnte (17).


Vitamin C und Gedächtnis

Haben Antioxidantien in der Ernährung einen Einfluss auf den Verlust an Gedächtnisleistung?

Intensiv diskutiert wird die Fragestellung, ob Antioxidantien, wie Vitamin C, die besonders in Obst und Gemüse enthalten sind, eine schützende Wirkung auf die altersbedingte Abnahme der Gedächtnisleistung haben. Es wird postuliert, dass durch die Bekämpfung von oxidativem Stress kognitive Leistungen aufrechterhalten werden können. Die jüngste Forschung zu diesem Thema hat widersprüchliche Ergebnisse erbracht. Das Ziel einer systematischen Übersichtsarbeit war es, die aktuelle Studienlage über einen möglichen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Antioxidantien und der Gedächtnisleistung zu prüfen. Acht Querschnitt- und 13 Längsschnittstudien wurden identifiziert und in die Analyse einbezogen. Ergebnis: Den Daten zufolge führt eine erhöhte Zufuhr von Antioxidantien über die Ernährung nicht zu besseren kognitiven Leistungen. Insgesamt sind die Ergebnisse nicht konsistent, dass durch die Aufnahme von Antioxidantien das Risiko für eine Demenz vermindert wird (6).


Vitamin C und Diabetes

Wie sich Mikronährstoffe, insbesondere Antioxidantien auf das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen bei Diabetes-Patienten auswirken, wurde auf Basis einer systematischen Literaturanalyse geprüft (20). Bisherige Untersuchungen konnten nachweisen, dass eine gute Versorgung mit Mikronährstoffen zu weniger kardiovaskulären Ereignissen bei Gesunden und Risiko-Patienten führt. Unklar ist hingegen, ob auch Patienten mit einem manifesten Diabetes von einer besseren Versorgung mit Mikronährstoffen profitieren. Auf der Grundlage von 5 Studien mit einer Nachbeobachtungszeit von 7 bis 15 Jahren kommen die Autoren u.a. zu dem Schluss, dass die Aufnahme von täglich mehr als 300 mg Vitamin C als Nahrungsergänzung mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, koronare Herzkrankheit (KHK) und Schlaganfall (RR 1,69 bis 2,37) assoziiert ist (20). Auch wenn diese Ergebnisse nicht als sicherer Nachweis gelten können, so deuten sie darauf hin, dass Mega-Dosen von Vitamin C bei Diabetes-Patienten nachteilige Wirkungen haben können.
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Vitamin C und Schwangerschaft

Eine weitere Übersichtsarbeit hat die Frage geprüft, ob eine zusätzliche Vitamin-C-Einnahme in der Schwangerschaft über die empfohlenen Mengen hinaus, das Risiko von Frühgeburten vermindern kann. Drei Studien belegen überzeugend, dass Schwangere ohne zusätzliche Risikofaktoren keinen Nutzen von einer zusätzlichen kombinierten Einnahme von Vitamin C und E haben. Drei weitere Studien konnten keine angemessenen Nachweise erbringen, dass Frauen, die zu einer Hochrisikogruppe für eine Frühgeburt zählen, von einer kombinierten Anwendung von Vitamin C und E über die empfohlenen Tagesdosen hinaus profitieren (21).


Vitamin C und Erkältung

Die regelmäßige Einnahme von Vitamin C kann die Dauer einer Erkältung sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern reduzieren, allerdings ist der Effekt nur gering ausgeprägt (Erwachsene: - 8 %, Kinder -14 %). Die klinische Relevanz dieser Befunde ist daher fraglich. Auch die Schwere der Erkältungskrankheit kann den Ergebnissen zufolge durch eine regelmäßige Vitamin C-Einnahme vermindert werden. Diese Aussagen sind abgeleitet aus zwei Metaanalysen von insgesamt 31 klinischen Studien (7, 11). Untersucht wurden dabei Dosierungen von mehr als 200 mg Vitamin C pro Tag.

Eine 2013 veröffentlichte Cochrane-Metaanalyse zur Wirksamkeit von Vitamin C hat den gegenwärtigen Kenntnistand noch einmal zusammengefasst (11). Nach der Auswertung von 29 Studien mit zusammen 11.306 Teilnehmern kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Einnahme von Vitamin C zur Vorbeugung einer Erkältungskrankheit nicht wirksam ist. Hingegen profitieren Leistungssportler von der vorbeugenden Vitamin-C-Einnahme. Eine Analyse von 5 Studien erbrachte den Nachweis, dass die regelmäßige Einnahme von Vitamin C das Risiko einer Erkältung/Infektion bei Personen, die intensiv trainieren, um etwa die Hälfte reduzieren kann.
Wird hingegen mit der Vitamin-C-Einnahme bis zum Beginn einer Erkältung gewartet, so konnte kein eindeutiger Effekt auf die Länge und Schwere der Erkrankung durch die therapeutische Gabe von Vitamin C dokumentiert werden (7, 10, 11).


Vitamin C und Sport

Vitamin C könnte die negativen Auswirkungen der durch eine körperliche Belastung induzierten reaktiven Sauerstoffspezies vermindern. Es wird vermutet, dass die Bildung freier Radikale entscheidend zur Muskelschädigung, zur Störung des Immunsystems und zur Ermüdung beiträgt. Allerdings scheint das Auftreten reaktiver Sauerstoffspezies auch eine notwendige Voraussetzung für vorteilhafte Trainingsanpassungen im Körper zu sein. Dass die Gabe von hochdosierten Vitamin C diese Trainingsanpassung abschwächt, dafür sprechen Studienergebnisse: Von insgesamt 12 Studien mit Vitamin C in Dosierungen von größer 1 g pro Tag, dokumentieren 4 eine Beeinträchtigung der sportlichen Leistung möglicherweise vermittelt durch die Verringerung der mitochondrialen Biogenese. Vier weitere Studien zeigten eine Verschlechterung der Leistung, die allerdings statistisch nicht signifikant waren. Die Autoren schlussfolgern, dass Dosen von etwa 200 mg Vitamin C pro Tag durch fünf oder mehr Portionen Obst und Gemüse ausreichend sind, um den oxidativen Stress durch die sportliche Belastung zu reduzieren und andere gesundheitliche Vorteile zu sichern, ohne eine Beeinträchtigung Trainingsanpassungen (5,18).


Nebenwirkungen von Vitamin C auf die Zähne

Die Säure-Erosion von Zahnschmelz ist die chemische Auflösung der Oberflächenschichten der Zähne, ohne das Vorhandensein von Bakterien. Wenn demineralisierende Mittel, wie Vitamin C, häufig und länger anhaltend in der Mundhöhle wirken, kann das zu einem erheblichen Verschleiß der Zähne führen.
Besonders Vitamin-C-Kautabletten können potenziell schädliche Auswirkungen auf die Zähne haben, besonders wenn sie im Übermaß konsumiert werden (2).


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Literatur


1. Bae J, Shin DH, Chun BY, Choi BY, Kim MK, Shin MH, Lee YH, Park PS, Kim SK. The effect of vitamin C intake on the risk of hyperuricemia and serum uric acid level in Korean Multi-Rural Communities Cohort. Joint Bone Spine. 2014 Jul 3. pii: S1297-319X(14)00150-X. [Epub ahead of print]
2. Bahal P, Djemal S. Dental erosion from an excess of vitamin C. Case Rep Dent. 2014;2014:485387.
3. Biniaz V, Sadeghi Shermeh M, Ebadi A, Tayebi A, Einollahi B. Effect of Vitamin C Supplementation on C-reactive Protein Levels in Patients Undergoing Hemodialysis: A Randomized, Double Blind, Placebo-Controlled Study. Nephrourol Mon. 2013 Nov 27;6(1):e13351.
4. Biniaz V, Tayebi A, Ebadi A, Sadeghi Shermeh M, Einollahi B. Effect of vitamin C supplementation on serum uric Acid in patients undergoing hemodialysis: a randomized controlled trial. Iran J Kidney Dis. 2014 Sep;8(5):401-7.
5. Braakhuis AJ. Effect of vitamin C supplements on physical performance. Curr Sports Med Rep. 2012 Jul-Aug;11(4):180-4.
6. Crichton GE, Bryan J, Murphy KJ. Dietary antioxidants, cognitive function and dementia--a systematic review. Plant Foods Hum Nutr. 2013 Sep;68(3):279-92.
7. Douglas RM, Hemilä H, Chalker E, Treacy B. Vitamin C for preventing and treating the common cold. Cochrane Database Syst Rev. 2007 Jul 18;(3):CD000980.
8. Ekrol I, Duckworth AD, Ralston SH, Court-Brown CM, McQueen MM. The influence of vitamin C on the outcome of distal radial fractures: a double-blind, randomized controlled trial. J Bone Joint Surg Am. 2014 Sep 3;96(17):1451-9.
9. Fritz H, Flower G, Weeks L, Cooley K, Callachan M, McGowan J, Skidmore B, Kirchner L, Seely D. Intravenous Vitamin C and Cancer: A Systematic Review. Integr Cancer Ther. 2014 May 26. pii: 1534735414534463. [Epub ahead of print]
10. Heimer KA, Hart AM, Martin LG, Rubio-Wallace S. Examining the evidence for the use of vitamin C in the prophylaxis and treatment of the common cold. J Am Acad Nurse Pract. 2009 May;21(5):295-300.
11. Hemilä H, Chalker E. Vitamin C for preventing and treating the common cold. Cochrane Database Syst Rev. 2013 Jan 31;1:CD000980
12. Hemilä H, Louhiala P. Vitamin C for preventing and treating pneumonia. Cochrane Database Syst Rev. 2013 Aug 8;8:CD005532.
13. Hemilä H. Vitamin C and common cold-induced asthma: a systematic review and statistical analysis. Allergy Asthma Clin Immunol. 2013 Nov 26;9(1):46.
14. Jarisch R, Weyer D, Ehlert E, Koch CH, Pinkowski E, Jung P, Kähler W, Girgensohn R, Kowalski J, Weisser B, Koch A. Impact of oral vitamin C on histamine levels and seasickness. J Vestib Res. 2014 Jan 1;24(4):281-8.
15. Lane DJ, Richardson DR. The active role of vitamin C in mammalian iron metabolism: Much more than just enhanced iron absorption! Free Radic Biol Med. 2014 Jul 15;75C:69-83. [Epub ahead of print]
16. Luo J, Shen L, Zheng D. Association between vitamin C intake and lung cancer: a dose-response meta-analysis. Sci Rep. 2014 Aug 22;4:6161.
17. Moores J. Vitamin C: a wound healing perspective. Br J Community Nurs. 2013 Dec;Suppl:S6, S8-11.
18. Nikolaidis MG, Kerksick CM, Lamprecht M, McAnulty SR. Does vitamin C and E supplementation impair the favorable adaptations of regular exercise? Oxid Med Cell Longev. 2012;2012:707941.
19. Pais R, Dumitraşcu DL. Do antioxidants prevent colorectal cancer? A meta-analysis. Rom J Intern Med. 2013 Jul-Dec;51(3-4):152-63.
20. Sarmento RA, Silva FM, Sbruzzi G, Schaan BD, Almeida JC. Antioxidant micronutrients and cardiovascular risk in patients with diabetes: a systematic review. Arq Bras Cardiol. 2013 Sep;101(3):240-8.
21. Swaney P, Thorp J, Allen I. Vitamin C supplementation in pregnancy--does it decrease rates of preterm birth? A systematic review. Am J Perinatol. 2014 Feb;31(2):91-8.
22. Wang L, Sesso HD, Glynn RJ, Christen WG, Bubes V, Manson JE, Buring JE, Gaziano JM. Vitamin E and C supplementation and risk of cancer in men: posttrial follow-up in the Physicians' Health Study II randomized trial. Am J Clin Nutr. 2014 Sep;100(3):915-23. Epub 2014 Jul 9.



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