Zu hohe Cholesterinwerte? – Naturstoffe mit Cholesterin-senkender Wirkung

 

Natürliche Cholesterinsenker



Fragen, die in diesem Beitrag beantwortet werden:

  • Gibt es Nahrungsmittel mit cholesterinsenkender Wirkung?
  • Ist es möglich Cholesterinwerte ohne Medikamente in einem relevanten Ausmaß zu senken?
  • Ist eine Cholesterinsenkung auf natürlichem Wege möglich?
  • In welchem Umfang können Naturstoffe den Cholesterinspiegel senken?
  • Naturheilmittel und Statine im Vergleich – Welche Abnahme der Cholesterinwerte ist realistisch?
  • Ist eine Kombination von Medikamenten und Naturstoffen zur Cholesterinsenkung sinnvoll?



CHOLESTERINSENKUNG

Naturheilmittel mit cholesterinsenkender Wirkung



Wie wirksam sind Naturstoffe zur Senkung erhöhter Cholesterinwerte?

Bei erhöhten Cholesterinwerten, die noch keine medikamentöse Behandlung erfordern, können bestimmte Nahrungsmittel die Normalisierung der Cholesterinspiegel unterstützen. Ergänzen lässt sich diese Wirkung durch weitere natürliche Substanzen oder Nahrungsbestandteile für die eine Cholesterinsenkung nachgewiesen werden konnte. Auch in Fällen, in denen eine medikamentöse Therapie mit Statinen keine ausreichende Wirkung zeigt oder Nebenwirkungen die Anwendung begrenzen, können pflanzliche Substanzen unterstützend zur Cholesterinsenkung beitragen. Günstige Effekte auf den Cholesterinspiegel sind z.B. für Lycopin (aus Tomaten), Curcumin (Curry), β-Glucan (Hafer), Weißdorn, Flohsamenschalen, L-Carnitin, Niacin, Ginseng, Gelée Royale, Grüntee und für Phytosterine dokumentiert. Auch einzelne Nahrungsmittel wie Mandeln oder Artischocken können sich positiv auf die Cholesterinwerte auswirken. Umstritten ist hingegen die Wirkung von Knoblauch auf die Cholesterinspiegel im Blut.

Die folgende Übersicht zu pflanzlichen Wirkstoffen und weiteren natürlichen Substanzen gibt eine Orientierung über das Ausmaß der Cholesterin-Senkung durch nicht-medikamentöse Maßnahmen.

Dass die Ernährung eine grundlegende Rolle bei der Vorbeugung und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielt, ist unbestritten. Für den regelmäßigen Verzehr von Mandeln konnte beispielsweise gezeigt werden, dass sie zu einer Abnahme des LDL-Cholesterins beitragen (2). Die Studiendaten sprechen sehr übereinstimmend für eine cholesterinsenkende Wirkung von Mandeln bei Gesunden und bei Personen mit hohen Cholesterinspiegeln um 3 bis 19 Prozent. Mandeln sind reich an ungesättigten Fettsäuren und enthalten Phytosterine und Ballaststoffe, für die ebenfalls günstige Effekte auf den Cholesterinhaushalt dokumentiert sind (6).


Hafer-Ballaststoffe

Hafer β-Glucan ist ein löslicher Ballaststoff aus den Zellwänden des Hafers. Gesundheitsbezogene Aussagen über die cholesterinsenkende Wirkung von Hafer sind offiziell durch die Gesundheitsbehörden in den USA und Großbritannien genehmigt. Grundlage dafür sind Metaanalysen von Studiendaten, die zeigen, dass der Verzehr von Hafer β-Glucan in Tagesdosen von mindestens 3 g das Gesamt-Cholesterin und das LDL-Cholesterin um 5-10 Prozent reduzieren (19). Diese Beobachtungen sind zutreffend für Personen mit normalen Cholesterinwerten als auch für Personen mit deutlich erhöhten Cholesterinspiegeln. Neuere Daten bestätigen, dass der Verzehr von Haferprodukten im Durchschnitt mit einer 5- bis 7-prozentigen Reduktion der Gesamt- und LDL-Cholesterinspiegel einhergeht (19).

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Lycopin

Lycopin ist verantwortlich für die rote Farbe von vielen Früchten und Gemüsen, wie z.B. Tomaten. Lycopin ist ein Carotinoid, das strukturell Ähnlichkeit mit dem Beta-Carotin hat.

Die Vielzahl von positiven Studienergebnissen lässt es wahrscheinlich erscheinen, dass Lycopin sich auch günstig auf den Fettstoffwechsel auswirkt (20).

In einer finnischen Studie an 21 gesunden Personen wurde die cholesterinsenkende Wirkung einer Ernährungsumstellung untersucht (27). Dabei führte eine täglich hohe Zufuhr von Tomaten-Produkten (400 ml Tomatensaft, 30 g Tomaten-Ketchup) im Vergleich zu einer Phase mit geringer Aufnahme innerhalb drei Wochen zu Abnahme des Gesamt-Cholesterin-Spiegels um 5,9 Prozent (LDL-Cholesterin: - 12,9 Prozent).

Auch die Supplementation mit Tomaten-Extrakt-Kapseln (4 mg Lycopin) täglich für 6 Monate führte zu einer Abnahme der Gesamt-Cholesterin- und LDL-Cholesterin-Spiegel bei postmenopausalen Frauen (18).

Eine kürzlich erschienene Zusammenstellung der wichtigsten Forschungsergebnisse bestätigt, dass Lycopin den Cholesterinspiegel und den Blutdruck im Normalbereich halten kann (26). Die Auswertung von insgesamt 12 Studien mit einer Behandlungsdauer von mindestens 2 Wochen und einer täglichen Einnahme von mindestens 25 mg Lycopin dokumentiert eine durchschnittliche Senkung der Gesamt-Cholesterin-Spiegel um 7,55 mg/dl (26). Beispielsweise wurde in einer Studie unter täglich 35 mg Lycopin über eine Abnahme des Gesamt-Cholesterins von 202 auf 183,5 mg/dl (- 9 Prozent) berichtet (24).

Die vorliegenden Daten bescheinigen Lycopin und Tomatenprodukten eine direkt cholesterinsenkende Wirkung. Auch epidemiologische Studien liefern deutliche Hinweise für einen protektiven Effekt von Lycopin in Bezug auf Herzerkrankungen.


Curcumin

Curcumin ist der farbgebende Bestandteil der Kurkuma-Pflanze. Dieser Gelbwurzelextrakt (Kurkuma) ist Grundlage von Gewürzen.

Neben Untersuchungen im Tiermodell deuten auch klinische Studien auf einen lipidsenkenden Effekt von Curcumin hin.

Nach einer 30-tägigen Behandlung mit Curcumin wurde eine Abnahme von LDL-Cholesterin und Apolipoprotein B sowie eine Erhöhung des HDL-Cholesterins und von Apolipoprotein A beschrieben (23).

Die cholesterinsenkende Wirkung von Curcumin konnte in einer klinischen Studie aus Thailand bestätigt werden. Unter der Einnahme von täglich 500 mg Curcumin über 7 Tage konnte eine signifikante Abnahme der Cholesterin- und Triglycerid-Spiegel dokumentiert werden (21).

In einer weiteren kontrollierten Studie erhielten 75 Patienten mit einem akuten Koronarsyndrom zusätzlich zu ihrer Standardtherapie Curcumin in drei unterschiedlichen Dosierungen. Die Ergebnisse bestätigen vorausgehende Untersuchungen, wonach die Einnahme von Curcumin zu einer Reduktion des LDL-Cholesterins und der Triglyceride, sowie zu einer Zunahme des HDL-Cholesterins führt (1).


L-Carnitin

Carnitin (L-Carnitin) ist eine natürlich vorkommende, körpereigene Verbindung, die aus den Aminosäuren Lysin und Methionin gebildet wird. Carnitin spielt eine wichtige Rolle im Energie- und Fettsäurestoffwechsel.

Hämodialyse-Patienten erhielten für 16 Wochen entweder L-Carnitin 1 g / Tag (n = 24) oder Placebo (27 Patienten). Am Ende der Behandlung wurden eine signifikante Abnahme der Triglycerid-Konzentration (-31,1 ± 38,7 mg/dl) und eine signifikante Erhöhung der HDL-Konzentration (3,7 ± 2,8 mg/dl) in der Carnitin-Gruppe beobachtet (7).

Das Ziel einer weiteren Doppelblind-Studie an 75 Patienten mit Typ-II-Diabetes war es, die Wirkung der kombinierten Gabe von Simvastatin + L-Carnitin im Vergleich zur Simvastatin Monotherapie auf das Lipidprofil zu untersuchen (8). Ergebnis: Am Ende der 4-monatigen Behandlung wurden für die Kombinations-Behandlung aus Carnitin + Simvastatin signifikante Vorteile im Vergleich zur Simvastatin-Monotherapie dokumentiert: eine Abnahme des Blutzuckers, der Triglycerid-Konzentration, der Apoprotein-B100- und Lipoprotein-(a)-Konzentration. Zudem wurde ein Anstieg beim HDL-Cholesterin beobachtet (8).

Für L-Carnitin wurde ein positiver Effekt auf verschiedene Herz-Kreislauf-Risikoparameter, einschließlich Lipoprotein(a), beschrieben (28). Für kardiovaskuläre Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall wird das Lipoprotein(a) als ein zusätzlicher unabhängiger Risikofaktor angesehen.

In einer Untersuchung an 52 Typ-II-Diabetikern konnte nachgewiesen werden, dass die tägliche Gabe von 2 g L-Carnitin zusätzlich zum Cholesterinsenker Simvastatin über 60 Tage zu einer signifikanten Abnahme der Lipoprotein-(a)-Spiegel führte, während es unter der alleinigen Simvastatin-Gabe zu einem Anstieg der Lipoprotein-(a)-Konzentration kam (29).

L-Carnitin scheint keine direkte Abnahme des LDL-Cholesterins zu bewirken, führt aber neben einer Zunahme des HDL-Cholesterins zur Verminderung weiterer Risikofaktoren.


Taurin

Taurin ist eine körpereigene Substanz, sie ist ein Abbauprodukt der Aminosäuren Cystein und Methionin und selbst keine Aminosäure. Möglicherweise kommt es unter der regelmäßigen Einnahme von Taurin zu einer Abnahme der Cholesterinspiegel. Bisher liegen allerdings nur Daten aus tierexperimentellen Untersuchungen vor. Im Tiermodell der Hypercholesterinämie konnte eine Abnahme insbesondere des LDL-Cholesterins dokumentiert werden (3).
 

Niacin – Vitamin B3

Niacin oder Nicotinsäure ist ein Vitamin und wird dem Vitamin-B-Komplex zugerechnet.

Am Beispiel von Niacin (Vitamin B3) gelang der Nachweis, dass auch Vitamine einen positiven Einfluss auf den Cholesterinstoffwechsel haben können. Zahlreiche Studien haben bestätigt, dass Niacin in pharmakologischer Dosierung nicht nur das LDL-Cholesterin senkt, sondern gleichzeitig auch die HDL-Cholesterinkonzentration erhöht. Damit zählt Niacin zu den wenigen Wirkstoffen, die zu einem Anstieg des HDLs führen und damit wahrscheinlich einen Artherosklerose-schützenden Effekt aufweisen. Allerdings begrenzt die unzureichende Verträglichkeit der notwendigen hohen Dosierung die Anwendung von Niacin. Unter der Einnahme von hohen Niacin-Dosen wird über Beschwerden geklagt, die Ähnlichkeit mit Hitzewallungen haben. Auch Patienten mit einem Diabetes mellitus sollten Niacin nicht in hohen Dosen anwenden, da es zu einer verschlechterten Blutzuckereinstellung kommen kann.


Grüntee

Auch der Konsum von Grünem Tee kann sich günstig auf den Cholesterinspiegel auswirken (13). Eine Metaanalyse der bisher publizierten Studien zur Wirkung von Grüntee in Mengen von 145 bis 3000 mg pro Tag über einen Zeitraum von 3 bis 24 Wochen kommt zu dem Ergebnis, dass eine durchschnittliche Abnahme des Gesamtcholesterins um 5,46 mg/dl (LDL-Cholesterin: - 5,3 mg/dl) erreicht werden kann. Die HDL- und Triglyceridspiegel hatten sich unter der Aufnahme von Grüntee hingegen nicht signifikant verändert (13).
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Schwarzer Tee


In einer Metaanalyse aus 10 Studien mit insgesamt 411 Teilnehmern wurde geprüft, ob ein regelmäßiger Konsum von schwarzem Tee die Cholesterinspiegel im Blut beeinflusst. Ergebnisse: Der regelmäßige Konsum von schwarzen Tee vermindert geringfügig, aber statistisch signifikant die LDL-Cholesterinspiegel (-4,64 mg/dl). Das HDL-Cholesterin änderte sich hingegen nicht-signifikant. Auffällig war, dass die Senkung des LDL-Cholesterins bei Patienten mit Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankung besonders ausgeprägt war.



Phytosterine

Phytosterine sind natürliche Bestandteile der Zellmembran von Pflanzen. Ihre Rolle in Pflanzen ähnelt der von Cholesterin beim Menschen. Strukturell sind sie dem Cholesterin ebenfalls sehr ähnlich. Phytosterine kommen hauptsächlich in fettreichen Pflanzenteilen vor. Besonders hoch ist der Gehalt an Phytosterinen in Weizenkeimöl, Sojaöl, Maisöl und Sonnenblumenkernen. Aber auch Weizenkeime, Sesam, Sojabohnen und Kürbiskerne enthalten bedeutsame Mengen.

Die Wirkung von Phytosterinen wurde in mehr als 40 klinischen Studien untersucht. Die Aufnahme von 2 g Phytosterinen täglich kann zu einer signifikanten Abnahme des LDL-Cholesterins bei Erwachsenen mit normalen oder erhöhten Cholesterinspiegeln führen. Für Phytosterine in einer Dosierung von 1,6 bis 3 g pro Tag konnte eine Abnahme des LDL-Cholesterins um 4,1 bis 15 Prozent im Vergleich zu Placebo nachgewiesen werden (17). Dieser Effekt wurde insbesondere innerhalb des ersten Monats nach Beginn der Einnahme beobachtet. Eine Metaanalyse von 84 Studien zur cholesterinsenkenden Wirkung von Phytosterinen bestätigt im Wesentlichen diese Daten und kommt zu dem Ergebnis, dass eine mittlere Zufuhr von 2,15 g Phytosterinen täglich zu einer LDL-Abnahme um 8,8 Prozent führt (6).

In mehreren Placebo-kontrollierten Studien wurde beobachtet, dass der Zusatz von Phytosterinen zu einer Statin-Therapie mit einer weiteren Reduktion beim LDL-Cholesterin um 7 bis 20 Prozent verbunden war (17). Insgesamt scheinen Phytosterine zur Verringerung von LDL-Cholesterin auch bei Patienten geeignet, die ihr Behandlungsziel allein durch eine Ernährungsumstellung oder die Einnahme der maximal verträglichen Dosis von Statinen nicht erreichen. Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen der Phytosterine betreffen Magen-Darm-Unverträglichkeiten.

Die cholesterinsenkende Wirkung von Phytosterinen geht wahrscheinlich im Wesentlichen auf eine kompetitive Hemmung der Cholesterinaufnahme im Darm zurück, d.h., durch die Anwesenheit von Phytosterinen wird die Aufnahme von Cholesterin reduziert.

Sojaprotein

Klinische Studien und Tierversuche legen nahe, dass auch die Aufnahme von Sojaproteinen Blutfette günstig beeinflussen kann. Dabei konnte neben einer Abnahme der Triglyceride auch eine Senkung des Gesamtcholesterins und des LDL-Cholesterins dokumentiert werden (34).


Artischocke

In einer Cochrane-Metaanalyse wurden drei kontrollierte Studien hinsichtlich der cholesterinsenkenden Wirkung von Artischocken-Extrakt analysiert (33). Die Autoren bescheinigen dem Artischocken-Extrakt das Potenzial für eine Senkung der Cholesterinspiegel, auch wenn die Daten nicht vollständig überzeugend seien. Im Ergebnis einzelner Studien wurde eine Cholesterinsenkung zwischen 4,2 und 18,5 Prozent beobachtet.


Flohsamenschalen

Flohsamenschalen werden zur Behandlung der chronischen Obstipation (Verstopfung) eingesetzt. Darüber hinaus hat die Einnahme von Flohsamen einen cholesterinsenkenden Effekt. Auch wenn der genaue Mechanismus, durch den Flohsamenschalen zu einer Senkung des Cholesterinspiegels führen, noch nicht ganz verstanden ist, liegen Hinweise vor, dass neben einer Hemmung der Cholesterin-Aufnahme aus dem Darm auch eine Stimulation der Gallensäure-Synthese eine wichtig Rolle spielt. Untersuchungen am Menschen konnten eine Senkung des LDL-Cholesterins unter der Einnahme von Flohsamen bestätigen (30). Eine Metaanalyse auf der Basis von 21 Studien kommt zu dem Ergebnis, dass Flohsamen in Dosierungen von 3 bis 20 g täglich zu einer signifikanten, wenn auch mäßig stark ausgeprägten Senkung sowohl des LDL- als auch des Gesamtcholesterins führen. Die Behandlungsdauer mit Flohsamen lag in den Studien bei mindestens 2 Wochen. Die Autoren halten Flohsamen geeignet zur unterstützenden Behandlung bei leichten Formen einer Hypercholesterinämie (32).


Gelée Royale

Gelée Royale wird auch als Bienenköniginnen-Futtersaft bezeichnet. Gelée Royale werden gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben. Beispielsweise wurden für Gelée Royale günstige Effekte auf den Cholesteringehalt und die Gesamtlipide im Serum beschrieben (31).

In einer kleineren Untersuchung an 15 Freiwilligen wurde geprüft, ob die Gabe von täglich 6 g Gelée Royale über einen Zeitraum von 4 Wochen einen günstigen Effekt auf Parameter des Fettstoffwechsels zeigt (10). Ergebnis: Im Vergleich zur Kontrollgruppe konnte unter Gelée-Royale-Einnahme eine signifikante Abnahme des Gesamt-Cholesterins und des LDL-Cholesterins dokumentiert werden. Die HDL- und Triglycerid-Konzentrationen blieben hingegen unverändert (10).


Ginseng

In Deutschland werden Extrakte der Ginsengwurzel (Panax Ginseng) vor allem zur allgemeinen Stärkung und in der Rekonvaleszenz bei Alterserscheinungen oder zur Stärkung körpereigener Abwehrkräfte empfohlen.

In einer Untersuchung von Patientinnen mit klimakterischen Beschwerden zeigte sich als Nebenbefund bei der Behandlung mit täglich 3 g roten Ginseng (standardisiert auf 60 mg Ginsenoside pro Tag) im Vergleich zu Placebo eine signifikante Abnahme des LDL- und Gesamtcholesterins (14).


Knoblauch

Neben seiner Bedeutung als Küchengewürz wird Knoblauch auch aufgrund seiner gesundheitsfördernden Wirkung verwendet. In der wissenschaftlichen Literatur wird insbesondere die cholesterinsenkende Wirkung durch den Verzehr von Knoblauch diskutiert.

Die Auswirkungen von Knoblauch auf den Cholesterinspiegel sind bisherigen Untersuchungen zufolge jedoch widersprüchlich (22). In verschiedenen In-vitro-Untersuchungen und Tierversuchen konnte für Knoblauch eine Senkung des Cholesterinspiegels nachgewiesen werden. Ausgehend von diesen Fakten testeten Wissenschaftler systematisch die Wirkung von Knoblauch beim Menschen.

In einer umfassenden Bestandsaufnahme wurden 13 Studien mit zusammen 1056 Patienten dahingehend analysiert, ob die regelmäßige Knoblauch-Zufuhr die Cholesterinspiegel reduziert (12). Ergebnis: Insgesamt hatte die Verabreichung von Knoblauch im Vergleich zu Placebo keine signifikante Wirkung auf die untersuchten Cholesterin-Parameter. Die Knoblauch-Therapie ergab keine statistisch signifikante Reduktion des Gesamt-Cholesterins, der LDL-Cholesterinspiegel, der Triglyceride oder der Apolipoprotein-B-Konzentration. Auch hatte Knoblauch im Vergleich zu Placebo keinen Effekt auf die HDL-Cholesterinspiegel (12).

Diese Ergebnisse wurden durch eine weitere, sehr umfassende, Metaanalyse im Wesentlichen bestätigt. Abweichend von der oben zitierten Untersuchung, kommt diese Auswertung zu dem Schluss, dass Knoblauch in einem geringen Maße die Triglyceridspiegel senkt (25).

Mit einer weiteren Untersuchung konnte der Einwand entkräftet werden, dass die Art der Knoblauch-Zubereitung eine entscheidende Rolle für die cholesterinsenkende Wirkung spielt (9). Beim Vergleich von rohem Knoblauch mit Knoblauch-Pillen und Placebo konnte ebenfalls kein Effekt auf die Cholesterinspiegel nachgewiesen werden. Die verwendete Dosierung lag bei täglich vier Gramm rohem Knoblauch, was dem Gewicht einer durchschnittlichen Zehe entspricht. Die Allicin-Konzentration von Pillen und rohem Knoblauch war nahezu identisch.

Fazit: Die verfügbare Evidenz aus kontrollierten Studien zeigt keine positiven Effekte von Knoblauch auf die Cholesterinwerte.


Weißdorn

Weißdorn-Extrakt wird aufgrund seiner herzschützenden Eigenschaften zur unterstützenden Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz eingesetzt. Es liegen darüber hinaus Hinweise vor, dass Weißdorn sich positiv auf den Lipidstoffwechsel bei Diabetes-Patienten auswirkt. In einer Placebo-kontrollierten Studie an 49 Diabetikern konnte nach 6 Monaten Therapie mit einer dreimal täglichen Einnahme von 400 mg Weißdorn-Extrakt ergänzend zu einer Statin-Therapie eine signifikante Abnahme beim LDL-Cholesterin im Vergleich zu Placebo dokumentiert werden (5). Die cholesterinsenkende Wirkung von Weißdorn-Extrakt konnte durch eine weitere Arbeitsgruppe bestätigt werden (16). 

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Chinesische Kräuter

Xuezhikang zählt in China zu den am häufigsten verwendeten pflanzlichen Kräutermischungen bei der Behandlung einer Hypercholesterinämie.
Eine Zusammenstellung der wichtigsten Studienergebnisse zu Chinesischen Kräutern legt nahe, dass einige Chinesische Kräuter positive Auswirkungen auf eine bestehende Hypercholesterinämie haben. Insgesamt sehr konsistente Ergebnisse zeigten sich dabei für die Kräutermischung Xuezhikang. Im direkten Vergleich zu Inositol-Nicotinat gab es einen signifikanten Unterschied zugunsten von Xuezhikang bezogen auf das Gesamtcholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin (35).


Diskussion

Für eine Vielzahl von Naturstoffen ist eine cholesterinsenkende Wirkung beschrieben. Allerdings sind die für eine relevante Cholesterinsenkung notwendigen Mengen im Einzelnen oftmals nicht über eine normale Ernährung zu erreichen.
Im Vergleich zu einer medikamentösen Standardtherapie zur Reduktion erhöhter Cholesterinspiegel fällt die Abnahme unter Naturstoffen deutlich geringer aus.

Statine reduzieren je nach eingesetztem Präparat dosisabhängig die LDL-Cholesterin-Spiegel zwischen 28 und 53 Prozent. Beispielsweise führt Simvastatin in der Standard-Dosierung von 40 mg täglich zu einer durchschnittlichen Reduktion des LDL-Cholesterins um 37 Prozent (15).

Um eine klinisch relevante Senkung erhöhter Cholesterinwerte zu erreichen, ist daher eine Kombination der verschiedenen diätetischen Ansätze notwendig.

Die Verwendung von Haferprodukten zum Frühstück in Form von Haferflocken, Brot und Haferkleie können die Cholesterinwerte um ca. 5 bis 10 Prozent senken. Die erhöhte Zufuhr von Tomatenprodukten zum Mittag- oder Abendessen (Tomatensoße, Ketchup, Tomatenmark) mit einer täglichen Zufuhr von 35 mg Lycopin lässt eine Abnahme des Gesamtcholesterins um etwa 9 Prozent erwarten. Die Verwendung von Curcumin (Kurkuma) ermöglicht dabei eine Abwechslung im Speiseplan. Eine hohe Zufuhr von Phytosterinen in Form von Weizenkeimöl, Sonnenblumenkernen und Soja führt zu einer Cholesterinsenkung in etwa der gleichen Größenordnung wie unter Lycopin. Die Erweiterung des Speiseplans um Grüntee und Mandeln könnte die Cholesterinspiegel weiter vermindern. Für zahlreiche pflanzliche Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel, die zu einem anderen Zweck eingenommen wurden, konnten positive Effekte auf den Fettstoffwechsel nachgewiesen werden (Flohsamenschalen, Weißdorn, Ginseng). Hingegen führt eine Nahrungsergänzung mit Knoblauch nicht zu einer relevanten Abnahme der Cholesterinspiegel.


Fazit

Naturstoffe und ausgewählte Nahrungsmittel können wesentlich zur Abnahme der Cholesterinspiegel beitragen, sind aber bei einer deutlich ausgeprägten Hypercholesterinämie kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Eine mäßig ausgeprägte Reduktion des LDL-Cholesterins ist dosisabhängig für Lycopin, Curcumin, Phytosterine, β-Glucan und Grüntee nachgewiesen. Eine Ernährungsumstellung und ggf. eine Nahrungsergänzung mit den genannten Naturstoffen stellt eine sinnvolle Ergänzung zur Normalisierung erhöhter Cholesterinspiegel dar.

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Lycopin – ein gesundheitlich wertvoller Bestandteil aus der Tomate


Wirkstoffe aus der Natur – bei welchen Erkrankungen kann Lycopin helfen?



Fragen, die in diesem Beitrag beantwortet werden:

  • Ist Lycopin zur Vorbeugung von Erkrankungen wirksam?
  • Welche Erkrankungen profieren von einer erhöhten Lycopin-Aufnahme?
  • Ist Lycopin vorbeugend bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirksam?
  • Welche Nahrungsmittel enthalten besonders viel Lycopin?
  • Entzündliche Erkrankungen – Wirkt Lycopin entzündungshemmend?


Hintergrund

Lycopin (auch Lycopen oder Leukopin) ist verantwortlich für die rote Farbe von vielen Früchten und Gemüsen, wie z.B. Tomaten. Lycopin ist ein Carotinoid, das strukturell Ähnlichkeit mit dem Beta-Carotin hat, es besitzt allerdings keine Vitamin-A-Aktivität.

Obwohl Lycopin erstmals im Jahre 1873 isoliert wurde, waren es erst die letzten 10 Jahre, in denen das Potenzial zum Schutz vor bestimmten Krebsarten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erkannt wurde.

Auch wenn die Erkenntnisse noch im Entstehen begriffen sind und gegenwärtig nur wenige klinische Daten verfügbar sind, ist doch das wissenschaftliche Interesse an Lycopin in den vergangenen Jahren stetig gewachsen.

Verschiedene Studien deuten auf eine Abnahme des allgemeinen Krebsrisikos insbesondere des Prostata-Karzinoms durch den Verzehr von Lycopin-haltigen Nahrungsmitteln hin.


Vorkommen



In welchen Lebensmitteln ist Lycopin enthalten?

Lycopin wird nicht vom Körper synthetisiert, es muss also über den Verzehr von Lebensmitteln, die reich an Lycopin sind, zugeführt werden. Gekochte oder verarbeitete Erzeugnisse aus Tomaten, z. B. Spaghetti-Soße, Tomatensaft, Ketchup und Pizza-Soße sind bei weitem die wichtigsten Quellen von Lycopin in der Ernährung (44). Reife Tomaten haben einen Lycopin-Anteil von ca. 3,9 bis 5,6 mg pro 100 g.

Konzentriertes Tomatenmark hat einen sehr hohen Gehalt an Lycopin (ca. 62 mg Lycopin pro 100 Gramm).

Auch Früchte können einen Beitrag zur Lycopin-Zufuhr durch die Ernährung leisten. Eine Vielzahl von Früchten, einschließlich Wassermelonen, enthalten Lycopin: Guave, Papaya, Aprikosen, rosa Grapefruits und Blutorangen. Allerdings stammen etwa 85 Prozent der Zufuhr von Lycopin bei den meisten Menschen aus Tomaten und Tomatenprodukten (33).


Faktoren mit Einfluss auf die Resorption von Lycopin aus Nahrungsmitteln

Lycopin aus gekochten Tomaten wird vom Körper besser resorbiert als aus frischen Tomaten (31). In Studien konnte gezeigt werden, dass die Wärmebehandlung zwischen 2,5- bis 3,8-mal mehr Lycopin aus Tomaten freisetzt. Lycopin ist fettlöslich, daher ist eine gewisse Menge Fett für die Aufnahme von Lycopin und anderen Carotinoiden erforderlich (31). Die Ergebnisse einer Studie legen nahe, dass mindestens 5 bis 10 g Fett in einer Mahlzeit enthalten sein sollten, um eine ausreichende Lycopin-Resorption sicherzustellen. Die exakte Menge an Fett für eine optimale Lycopin-Aufnahme ist bisher nicht bekannt (5).


Durchschnittliche Zufuhr von Lycopin über die Nahrung

In Studien, die Mitte der 1990er Jahre durchgeführt wurden, lag die mittlere Lycopin-Aufnahme in den USA bei 3,1 bis 3,7 mg pro Tag für Frauen und 5,2 mg pro Tag für Männer. Die Aufnahme war nicht nur bei Männern insgesamt höher, sondern war am höchsten in der männlichen Altersgruppe der 12- bis 19-Jährigen. Eine aktuelle Untersuchung aus Belgien bestätigt im Wesentlichen diese Daten. Demnach liegt die durchschnittliche tägliche Lycopin-Aufnahme eines Erwachsenen bei 4,1 mg pro Tag (44).

Der im Darm resorbierte Anteil von Lycopin liegt beim Menschen zwischen 10 und 30 Prozent. Lycopin gelangt wie Fett durch passive Diffusion über die Zellmembran in die intestinale Mukosazelle, wo es dann in Chylomikronen aufgenommen und über das Lymphsystem in die Leber transportiert wird.

Die höchsten Konzentrationen von Lycopin im Körper finden sich in der Nebenniere und im Hoden.


Anwendungsgebiete

Als Antioxidans schützt Lycopin vor ganz unterschiedlichen Erkrankungen. Seit Jahren kontrovers diskutiert wird die vorbeugende Einnahme von Lycopin, um das Risiko eines Prostata-Karzinoms zu vermindern. Auch die Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählt zu den viel diskutierten Anwendungen von Lycopin.

Unter den Nahrungsmitteln, die sich günstig auf den Cholesterin-Stoffwechsel auswirken, nehmen Tomatenprodukte und damit Lycopin einen besonderen Stellenwert ein. Lycopin wird u.a. angewendet, um die Konzentration des LDL-Cholesterins im Blut durch nicht-medikamentöse Maßnahmen zu senken. Darüber hinaus präsentierten Forscher kürzlich auf einer Konferenz wissenschaftliche Daten zum potenziellen Schutz von Lycopin vor männlicher Unfruchtbarkeit, Osteoporose, Hautkrebs, Augenerkrankungen, Prostata-, Brust- und Gebärmutterschleimhautkrebs (Endometriumkarzinom).

Auch der Einsatz von Lycopin zur Vorbeugung einer Demenz wird diskutiert. Epidemiologische Daten deuten einen möglichen Zusammenhang an: Personen mit kognitiven Problemen weisen niedrigere Blutspiegel an Lycopin auf als Kontroll-Personen (35). Dieser Befund weist darauf hin, dass auch Personen mit beginnender Demenz oder kognitiver Einschränkung von einer erhöhten Lycopin-Zufuhr profitieren könnten.

Ebenfalls von Bedeutung scheint die antidiabetische Wirkung von Lycopin zu sein. Befunde aus tierexperimentellen Untersuchungen am Diabetes-Modell lassen auf eine blutzuckersenkende Wirkung von Lycopin schließen (3).

Ob dem Lycopin möglicherweise auch einen Stellenwert bei der Blutdruckregulierung zukommt, wird gegenwärtig in Studien geprüft. Eine Blutdruck-Senkung in Folge einer Lycopin-Supplementation wurde in zwei Studien beobachtet (11, 30). Derzeit ist noch unklar, ob diesen Blutdruckveränderungen eine klinische Relevanz zukommt. 

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Wirkmechanismus

Lycopin wirkt im Körper als Antioxidans, es schützt die Zellen vor Schäden durch freie Radikale, die gebildet werden, wenn Körperzellen Sauerstoff zur Energiegewinnung umsetzen (17).

Lycopin gilt als das potenteste Antioxidans unter allen Carotinoiden.

Die Verteilung von Lycopin im Köper nach Resorption aus dem Darm liefert einen ersten Hinweis, welche Organsysteme von einer Behandlung besonders profitieren könnten.
Nach der Resorption wird Lycopin auf verschiede Gewebe im ganzen Körper verteilt. Verglichen mit anderen Carotinoiden finden sich signifikant höhere Konzentrationen von Lycopin in der Leber, Nebenniere, Hoden und Prostata (17).

Es liegen erste Hinweise für eine entzündungshemmende Wirkung von Lycopin vor (2, 18). Vermittelt wird diese Wirkung wahrscheinlich über eine Beeinflussung von NF-kappaB, einem spezifischen Transkriptionsfaktor (2). Die Aktivierung von NF-κB gilt als kritisch für die Entstehung von Entzündungen. Dass die Aufnahme von Lycopin sich positiv auf ein bestehendes Entzündungsgeschehen im Körper auswirken könnte, darauf weist z.B. eine Studie hin, in der das C-reaktive Protein (CRP) als Entzündungs-Marker gemessen wurde. Nach einer zweiwöchigen Phase mit täglicher Tomatensaft-Aufnahme (entsprechend 21 mg Lycopin) konnten eine Abnahme der CRP-Spiegel und auch eine Reduktion der Cholesterinspiegel dokumentiert werden (18). Andere Forschungsgruppen konnten diese Befunde allerdings nicht bestätigen.


Lycopin zur Vorbeugung von Herz-Kreislauferkrankungen

Eine hohe Zufuhr von Lycopin über die Ernährung scheint mit einem verminderten Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen einherzugehen (20). Einer amerikanischen Untersuchung zufolge ist das Risiko für eine Koronare Herzkrankheit (KHK) bei guter Lycopin-Versorgung um etwa 26 Prozent reduziert (20). Weitere Studien wurden zur Beeinflussung des Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risikos durch Lycopin durchgeführt. In der EURAMIC Studie, einer multizentrischen europäischen Studie, war das Risiko für einen akuten Herzinfarkt bei Personen mit den höchsten Lycopin-Konzentrationen im Fettgewebe um 65 Prozent vermindert im Vergleich zu Personen mit den niedrigsten Lycopin-Spiegeln. Zwei weitere Studien fanden eine inverse Beziehung zwischen den Blutspiegeln von Lycopin und der Herz-Kreislauf-Mortalität oder dem Risiko für einen Schlaganfall.
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In einer jüngst veröffentlichten Studie mit über 1000 Teilnehmern aus Finnland wurde festgestellt, dass Männer mit den höchsten Serum-Konzentrationen von Lycopin weit weniger wahrscheinlich einen Schlaganfall entwickeln als Männer mit den niedrigsten Lycopin-Spiegeln im Blut (55 Prozent geringes Schlaganfallrisiko) (23). Hingegen fand sich kein Zusammenhang zwischen der Höhe der Vitamin A- oder E-Konzentration im Blut und der Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden.

In einer weiteren finnischen Studie wurde die Frage geprüft, ob hohe Lycopin-Blutspiegel und damit eine gute Lycopin-Versorgung über die Ernährung das Fortschreiten einer Atherosklerose (Arteriosklerose) günstig beeinflusst. Zu diesem Zweck wurden 840 erwachsene Männer mit frühen atherosklerotischen Veränderungen in den Gefäßen (Arteria carotis communis) über 7 Jahre nachbeobachtet. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Personen mit den höchsten Konzentrationen an Lycopin das geringste Fortschreiten der Atherosklerose aufwiesen (46). Demnach könnte eine regelmäßig hohe Lycopin-Zufuhr möglicherweise das Fortschreiten einer Atherosklerose verhindern.

Bei Patienten mit einer Herzinsuffizienz konnte nachgewiesen werden, dass eine erhöhte Aufnahme von Lycopin die Komplikationsrate im weiteren Verlauf signifikant vermindert (5).


Lycopin zur Senkung des Cholesterinspiegels

Die Vielzahl von positiven Studienergebnissen lässt es wahrscheinlich erscheinen, dass Lycopin sich auch günstig auf den Fettstoffwechsel auswirkt (30).

In Übereinstimmung mit experimentellen Befunden führte die Supplementation von täglich 60 mg Lycopin bei 6 Männern über einen Zeitraum von 3 Monaten zu einer signifikanten Abnahme der Plasma-Cholesterin-Konzentration um 14 Prozent (14).

Auch die Supplementation mit Tomaten-Extrakt-Kapseln (4 mg Lycopin) täglich für 6 Monate führte zu einer Abnahme der Gesamt-Cholesterin- und LDL-Cholesterin-Spiegel bei postmenopausalen Frauen (28).

In einer finnischen Studie an 21 gesunden Personen wurde die Cholesterin-senkende Wirkung einer Ernährungsumstellung untersucht (39). Dabei führte eine täglich hohe Zufuhr von Tomaten-Produkten (400 ml Tomatensaft, 30 g Tomaten-Ketschup) im Vergleich zu einer Phase mit geringer Aufnahme innerhalb von drei Wochen zu einer Abnahme des Gesamt-Cholesterin-Spiegels um 5,9 Prozent (LDL-Cholesterin: - 12,9 Prozent). Die Veränderungen der Gesamt- und LDL-Cholesterin-Konzentrationen korrelierten dabei signifikant mit den Änderungen der Serum-Lycopin-Konzentration (39).

Eine kürzlich erschienene Metaanalyse bestätigt, dass Lycopin den Cholesterinspiegel und den Blutdruck im Normalbereich halten kann (35). Die Auswertung von insgesamt 12 Studien mit einer Behandlungsdauer von mindestens 2 Wochen und einer täglichen Einnahme von mindestens 25 mg Lycopin dokumentiert eine durchschnittliche Senkung der Gesamt-Cholesterin-Spiegel um 7,55 mg/dl (35). Beispielsweise wurde in einer Studie unter täglich 35 mg Lycopin über eine Abnahme des Gesamt-Cholesterins von 202 auf 183,5 mg/dl (- 9 Prozent) berichtet (34).

Die vorliegenden Daten bescheinigen Lycopin und Tomatenprodukten eine direkt Cholesterin-senkende Wirkung. Obwohl auch epidemiologische Studien deutliche Hinweise für einen schützenden Effekt von Lycopin vor Herzerkrankungen liefern, sind doch weitere klinische Studien notwendig, um den Zusammenhang zwischen der Lycopin-Aufnahme und der Höhe der Cholesterinspiegel zu bestätigen.


Wirkung von Lycopin beim Asthma bronchiale

Möglicherweise besitzt Lycopin einen Stellenwert in der Behandlung von Symptomen eines Belastungs-Asthmas (exercise-induced asthma). In einer Crossover-Untersuchung konnte der Nachweis erbracht werden, dass die tägliche Aufnahme von 30 mg Lycopin für sieben Tage im Belastungstest zu einem geringeren Abfall des FEV1 (forciertes exspiratorisches Volumen in einer Sekunde) führte als die Placebo-Einnahme (29).

Diese Hypothese wurde in einer Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie an 19 jungen Athleten mit einem Belastungsasthma überprüft. Im Ergebnis zeigte sich, dass eine tägliche Dosis von 30 mg Lycopin für eine Woche keinen Einfluss auf die Lungenfunktion nach dem Training hatte. Die Lycopin-Einnahme bietet den Autoren zufolge keine schützende Wirkung gegen die Symptome eines Belastungsasthmas bei jungen Sportlern.

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Einfluss von Lycopin auf den Knochenstoffwechsel

Epidemiologische Studien sprechen für einen positiven Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Lycopin-haltigen Nahrungsmitteln und der Knochendichte bzw. Knochenmasse als Parameter für die Knochenstabilität (37, 38). In die gleiche Richtung weisen Befunde, nach denen Frauen mit Osteoporose geringere Lycopin-Spiegel aufweisen als Kontrollpersonen.


Schutz vor ultravioletter Strahlung – Lycopin als Sonnenschutzmittel?

Dass der regelmäßige Verzehr von Tomatenprodukten einen gewissen Schutz vor einen Sonnenbrand bieten könnte, darauf weisen mehrere Untersuchungen hin. Beispielsweise führte der Verzehr von täglich 40 g Tomaten-Paste über 8 Wochen zu einem geringer ausgeprägten Erythem nach Exposition gegenüber UV-Strahlung.

Eine deutsche Forschergruppe hat geprüft, ob Lycopin wie das Beta-Carotin einen photoprotektiven Effekt besitzt, d.h. möglicherweise die Gefahr eines Sonnenbrandes reduziert.
In einer zehnwöchigen Placebo-kontrollierten Studie reicherten 20 Probanden ihre tägliche Nahrung mit einer kleinen Dose Tomatenmark (40 g) an, z. B. in Form von Suppe, Pizzaaufstrich oder Nudelsoße. Die Teilnehmer der Placebogruppe ergänzten hingegen ihre Nahrung mit 10 g Olivenöl pro Tag. Nach 10-wöchiger Studiendauer wurde bei den Teilnehmern der Tomatenmark-Gruppe ein deutlicher Anstieg der Lycopin-Konzentrationen im Blut als Hinweis für eine gute Compliance beobachtet. Nach der erneuten Exposition mit UV-Strahlung zeigte sich das entscheidende Ergebnis: Die hohen Lycopin-Spiegel führten zu einer um 32 Prozent niedrigeren Erythem-Rate. Vergleichbare Ergebnisse wurden nach Supplementation mit Lycopin-Extrakt in Kapselform oder nach Genuss von Lycopin-reichem Karottensaft dokumentiert. Der Schutz durch diätetische Maßnahmen ist jedoch beträchtlich niedriger als der durch das Auftragen von Sonnenschutzcreme zu erreichende Effekt (41).


Verträglichkeit

Lycopin wird im Allgemeinen als sicher eingestuft. Bisher wurden nur wenige Nebenwirkungen zur Anwendung von Lycopin berichtet. Nach derzeitigem Wissensstand sind keine Vorsichtsmaßnahmen oder Kontraindikationen bei der Anwendung von Lycopin zu berücksichtigen.


Fazit

Die regelmäßige Zufuhr von Lycopin, z.B. in Form von Tomatenprodukten hat einen positiven Einfluss auf eine Reihe von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die damit verbundenen Funktionsstörungen. Ein hoher Anteil von Tomatenprodukten in der täglichen Ernährung scheint sich positiv auf den Cholesterin-Stoffwechsel auszuwirken. Möglicherweise profitieren auch Patienten mit einem hohen Erkrankungsrisiko für eine Koronare Herzkrankheit (KHK) oder eine Herzinsuffizienz von Lycopin. Die entzündungshemmenden Eigenschaften lassen Lycopin geeignet erscheinen zur unterstützenden Behandlung bei chronischen Entzündungsprozessen. Eine hohe Lycopin-Aufnahme kann zudem den Hautschutz gegenüber UV-Strahlung ergänzen. Die regelmäßige Lycopin-Zufuhr über die Ernährung oder als Nahrungsergänzung in höherer Dosierung gilt als gut verträglich.

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